Mittwoch, 14. Juni 2017

High noon und das Tagwerk ist vollbracht

Povoa de Varzim - Marinhas (24,6 km)

Heute Nacht habe ich etwas unruhig geschlafen, daher war es nicht verwunderlich, dass ich schon relativ früh wach war. Es hat zwar doch noch bis um 6:30 Uhr gedauert, bis ich meine gestern Abend vorbereiteten Sachen zusammengepackt habe, um mich dann in der Küche für den Abmarsch fertig zu machen. Mitten in den Vorbereitungen kommt zunächst Ben, danach noch Pablo und Paul für ein Frühstück dazu. Es ist mir fast peinlich, aber ich glaube, ich bin dann um 7 Uhr der erste, der die Herberge verlässt. Ich begebe mich direkt an die langgezogene Strandpromenade und laufe parallel zum Meer in Richtung Norden. Im Gegensatz zu gestern hat sich das Wetter komplett geändert, am strahlend blauen Himmel ist kein Wölkchen zu sehen und im Osten geht die Sonne auf, während im Westen noch der Mond am Horizont zu sehen ist. Mir begegnen erneut sehr viele Portugiesen, die irgend einem Frühsport nachgehen. Pilger sind noch keine unterwegs.
Ich gehe heute sehr beschwingt und ich spüre, dass ich jetzt richtig hier angekommen bin. Es ist mir ein großes Vergnügen, auf den kilometerlange Holzstegen parallel zum Meer zu laufen, dem Rauschen der Wellen zu lauschen und von vorwitzigen Möwen begleitet zu werden. Es ist ein Genuss, die frische morgendliche Seeluft einzuatmen, während mir eine frische Brise entgegen bläst und die auf ansteigende Temperatur zumindest deutlich angenehmer werden lässt.
Nach einer guten Stunde Gehzeit treffe ich auf die noch geschlossene Beachbar Caminho. Aber gerade in dem Moment trifft die Betreiberin ein und fragt mich, ob ich einen Stempel haben möchtet. Dieses Angebot nehme ich natürlich gerne an und wir kommen ein wenig ins Gespräch. Ich habe zudem die Ehre, eine Muschel zu signieren, die dann an einem kleinen Gestell zu bereits vorhanden Muscheln aufgehängt wird. Saozita erzählt mir von ihren bisherigen Caminos und macht auch noch ein Foto von mir, das sie auf Facebook einstellt. Das sind die spontanen Ereignisse, für die es sich lohnt, auf den Jakobsweg zu gehen - ungezwungene Begegnungen mit freundlichen und zuvorkommenden Menschen. Daher ist für mich der Jakobsweg auch ein Weg des Friedens, wo sichvunterschiedlichste Menschen aus aller Herren Länder mit den unterschiedlichsten Sprachen gut verstehen und friedvoll miteinander umgehen.
Soweit das Auge reicht, kann ich den Weg, bestehend aus Holzplanken, erkennen. Links befindet sich der Ozean und rechts laufe ich an einem Dorf vorbei. An einem Fußballstadion endet der schöne Weg und ich wende mich ins Landesinnere zu. Hier muss ich jetzt ein längeres Stück auf einer Kopfsteinpflasterstraße laufen. Ich passiere großflächige Gemüseanbauflächen, die oftmals von Gewächshäusern überdacht sind. Aktuell scheint die Zwiebelernte in vollem Gange zu sein. Nach gut zwei Stunden lege ich an der Straße eine kurze Pause ein, denn ich spüre ein leichtes Zwicken an meinem rechten Fuß. Zum Glück stellt sich heraus, dass ich mir keine Blase gelaufen habe, aber zu Sicherheit klebe ich ein Stückchen Tape auf die ansprechende Stelle. Ich nutze die kleine Pause auch, um mich der Hosenbeine zu entledigen und um von dem gestern gekauften Baguette ein Stückchen zu verzehren.
In der Nähe des Campingplatz Orbitur sorgt ein Kiefern- und Eukalyptuswald für eine willkommene, kühle  Abwechslung. In Apulia treffe ich an einer Infotafel Kelly aus Kapstadt und hole mir in der überraschenderweise geöffneten Pfarrkirche einen Stempel. Es dauert nur ein paar Minuten dann habe ich Kelly wieder eingeholt. Leider muss ich in dem kurzen Gespräch erfahren, dass ich heute Morgen doch nicht als erster Pilger die Herberge verlassen habe. Kelly ist bereits um 6 Uhr losmarschiert, weil sie langsam geht wegen ein paar Problemen mit ihrem Sprunggelenk. Eigentlich möchte sie auch bis Marinhas laufen, aber wenn es nicht geht, wird sie sich in Esposende eine Unterkunft suchen. Ich verabschiede mich von ihr und wünsche ihr einen Bom Caminho.
Nach anderthalb Stunden auf Kopfsteinpflaster unterbricht ein kühles Waldstück den Verlauf, das ist sehr angenehm. Bald erreiche ich Fao, wo sich die Gemeinde eine schöne Stempelstelle einfallen ließ. Man hat den Pilgerstempel in einer roten Telefonzelle platziert, jedoch hat auch hier der Vandalismus zugeschlagen. Irgendwer hat die Stempelpatte dermaßen zerstört, sodass man keinen vernünftigen Stempelabdruck hinbekommt. Nachdem ich Fao  durchlaufen habe, überquere ich den Rio Cavado und kann von der Stahlbrücke aus auch wieder ein wenig das Meer erahnen,  auf das ich jetzt wieder parallel zum Fluss an einer Straße entlang zulaufe. Schließlich erreiche ich Esposende, wo sich am Ortseingang eine schöne Stele und eine Info Tafel befinden. Von dort aus  danach werde ich durch den Ortskern geführt. In einer der offenen Kirchen liegt noch einmal ein Stempel, den ich mir freudig in mein Credencial drücke.  Am Ende der Stadt Ausgang werde ich wieder an den Fluss geleitet und erreiche die Mündung in den Atlantik. Wie so oft an der Küste, gibt es auch hier ein kleines Kastell. Von dort sind es jetzt nur noch zwei Kilometer bis zur Pilgerherberge in Marinhas, die vom Portugiesischen Roten Kreuz auf Spendenbasis betrieben wird und wo ich als erster gegen 12:30 Uhr ankomme. Wenig später trudeln zwei russische Pilgerinnen ein. Gemeinsam warten wir auf den Hospitalero, der kurz nach 14 Uhr erscheint. Im Laufe des Nachmittags trudeln zu meiner Freude Kelly und Ben ein, die sich unterwegs getroffen haben. Ansonsten nimmt die Internationalität zu: Ina aus Costa Rica, Antonio aus Italien, Korea und auch unsere polnischen Zimmernachbarn Lija und Monika haben es bis Marinhas geschafft. Heute Abend wollen wir gemeinsam etwas essen gehen.







Dienstag, 13. Juni 2017

Der Himmel fällt mir hoffentlich nicht auf den Kopf

Angeiras - Povoa de Varzim (19 km) 

Gegen 5:30 Uhr Uhr werde ich mit einem lauten Schlag geweckt. Es zieht eine lange andauernde, heftige Gewitterfront über den Campingplatz hinweg. Irgendwann in der Nacht gab es schon einmal ein kleines Gewitter, das jedoch schnell vorüberzog. Der auf das Dach meiner Behausung niederprasselnde Regen wurde immer stärker und die Blitze und Donnerschläge kamen immer näher. Das tiefe Grollen des Donners war sogar noch auf meiner Liege so deutlich zu spüren, als wenn ich direkt neben einer Bassbox bei lauter Musik stehen würde. Gerade dachte ich, das Gewitter Sei voübergezogen, da beginnt es wieder von vorn, wen auch nicht so heftig. Jetzt kann ich nur warten, bis das Wetter sich so beruhigt hat, dass ich mich auf den Weg machen kann. Positives am Morgen: meine Kamera ist wie durch ein Wunder wieder bereit, die Zusammenarbeit mit mir aufzunehmen.
Um 7:45 Uhr entschließe ich mich,  loszugehen. Doch schon bald merke ich, das war ein Fehler. Über dem Meer ziehen sich die Wolken zusammen und vereinzelte Blitze sind zu sehen. Auf einer Holzbrücke beginnt es leicht zu tröpfeln und ich ziehe meinen Schritt an. Kurz vor mir sehe ich ein Restaurant mit dazugehöriger Strandbar, die zudem einen überdachten Sitzbereich hat. Dorthin flüchte ich mich, bevor das Gewitter mit voller Wucht mit starkem Regen, Blitz und Donner über mich herfällt. Ich warte hier, bis ich meinen Weg fortsetzen kann. Nach einer halben Stunde bekomme ich Gesellschaft von zwei Amerikanerinnen aus Texas.  Ihr erster Satz: "What a nice oceanview."  Um 8:55 Uhr Uhr, also nach gut einer Stunde des Wartens, mache ich mich wieder auf den Weg.
Ich bin heute etwas flotter unterwegs, weil der Wetterbericht erneute Gewitter vorausgesagt hat.  An einer Kreuzung in Mindelo werde ich von einem netten Herrn angesprochen, der mir den richtigen Weg weisen möchte. Allerdings haben Jörg und ich uns  schon vor zwei Jahren ja diese Stelle schon einmal verlaufen. Ich verlasse mich doch lieber auf meine GPS-Daten und gehe nach einem kleinen Umweg wieder auf den von mir bevorzugten Weg durch ein Naturschutzgebiet. Kurz darauf lugt die Sonne aus den dichten Wolken hervor, als wolle sie mir sagen: "Du hast alles richtig gemacht, weiter so."
Plötzlich geht es nicht weiter. Vor mir fließt ein durch den Regen wild gewordener Bach,  über dem wahrscheinlich früher einmal eine Brücke führte, die jetzt aber fehlt.  Also kehre ich um bis zur letzten Kreuzung, wo ich auf meiner Karte eine Alternative finde, um auf den richtigen Weg zurückzukehren. Gerade überquere ich eine andere Brücke über den Bach, da fallen erste Regentropfen aus dem nicht besonders vertrauensvoll ausschauenden Himmel. Ich entscheide rasch, den Regenponcho überzuziehen, doch so richtig klappt das zunächst nicht. Kurz darauf scheint wieder die Sonne und ich kehre in einer Bar ein, wo wir schon vor zwei Jahren waren. Obwohl ich eigentlich keinen Kaffee trinke, ist jetzt der erste Café con leche fällig. Als ich die Bar um 11:15 Uhr verlasse, traue ich meinen Augen kaum strahlender Sonnenschein, blauer Himmel,  weiße Wölkchen - also ideales Pilgerwetter. Es ist von dem ungemütlichen Vormittagswetter nichts mehr zu erahnen.
Neben den gelben Pfeilen ist der Caminho da Costa inzwischen mit wunderschönen Holzstelen und der gelben Muschel auf blauem Grund gekennzeichnet.
In Vila do Conde halte ich mich nicht lange auf und hole mir in der Tour-Info nur den nächsten Stempel ab. Von dort laufe ich weiter zum Meer und ab einem kleinen Kastell auf einer befestigten Promenade in Richtung Povoa de Varzim. Kurz vor dem Ziel Laufe ich auf Benjamin, dem Pfälzer auf und begleite ihn zur Herberge. Wir treffen um 13:15 Uhr dort ein und sind die ersten. Nach einer Weile kommen noch Arba und Toshana aus Kapstadt ein. Wir warten, dass die Rezeption um 14:00 Uhr öffnet. Arba versucht per Telefon jemanden zu erreichen, ohne Erfolg. Ich versuche es dann um 15:15 Uhr unter einer anderen Nummer und mir wir versprochen, dass gleich jemand kommt. Und so kommt es auch. Zwanzig Minuten später beziehen wir unser Zimmer. Im Anschluß gehen wir etwas einkaufen und essen. Zurück in der Herberge treffen wir Kelly aus Kapstadt, Paul aus Litauen und Pablo aus Argentinien. Es ist eine Freude, sich mit jungen Leuten aus der ganzen Welt zu unterhalten. Bis halb acht sind Ben und ich alleine in unserem Zimmer, dann treffen noch zwei Polinnen ein und bekommen die verbliebenen zwei Betten der Herberge bei uns. Ben und ich sprechen intensiv über seine gesundheitlichen Probleme. Ich ziehe meinen Hut, wie offen er damit umgeht und wie er sie stemmt. 







Montag, 12. Juni 2017

Erster Tag vergeht wie im Flug

Porto - Angeiras (24,2 km)

Das Abenteuer kann beginnen. Ich stehe um 2:15 Uhr auf und verabschiede mich von meiner lieben Frau. Knapp 20 Minuten später verlasse ich das Haus. Draußen hat es 20 Grad und es wegt ein kühler Wind.  Es ist ruhig. Nur vereinzelt fährt ein Auto an mir vorbei und im vorbeigehen ist an einem Haus erkennbar, dass noch jemand vor dem Fernseher sitzt. Am Himmel ist eine mehr oder weniger dichte Wolkendecke erkennbar, durch die der  volle Mond manchmal zu sehen ist.
Als ich nach gut zwei Kilometern Marsch durch den Koblenzer Bahnhof laufe, wird die dortige Stille nur vom Betriebsgeräusch der ungenutzten Rolltreppe durchbrochen. In der Bahnhofshalle haben sich einige Menschen auf den wenigen Sitzmöglichkeiten breit gemacht und schlummern vor sich hin. Schließlich erreiche ich den Busbahnhof um 3:07 Uhr und bin leicht angeschwitzt.
Der Bus zum Flughafen Hahn fährt schon acht Minuten später ein und ich löse als erste ein Ticket . Um 3:30 Uhr setzt die Fahrerin den Bus mit mir und noch zwei weiteren Fahrgästen in Bewegung. Am Flughafen verpacke ich meinen Rucksack in eine Schutzhülle und gebe ihn am Drop Off-Schalter ab. Die Sicherheitskontrolle passiere ich ohne Probleme und kaufe mir dann ein belegtes Brötchen zum Frühstück.
Direkt gegenüber von mir sitzt ein Pärchen, das ich anspreche und einen Volltreffer lande. Auf meinen Post auf Facebook - mein eingepackter Rucksack - hat sich auch Brigitte aus der Nähe von Aschaffenburg gemeldet und sie schrieb , sie und ihr Mann säßen im selben Flieger. So unterhalte ich mich mit ihr und Michael an wenig und die Zeit bis zum Boarding vergeht wie im Flug.  Zwei älteren Damen bin ich bei einem Foto behilflich, auch sie haben den Caminho Portugues vor sich, wie mindestens zehn weitere Fluggäste ebenfalls.
Auch der Flug vergeht wie im Flug - ruhig und ohne Zwischenfall - und meistens hatte ich die Augen dabei zu. Um 9 Uhr 18 Uhr landen wir in Porto, nach Ortszeit ist es dort aber erst 8:18 Uhr. Wir bekommen sehr rasch unser Gepäck zurück und sind abmarschbereit. Ich verabschiede mich von Brigitte und Michael, denen ich mich nicht aufdrängen möchte. Auf dem Bahnsteig der Metro mache ich noch ein Foto, und dann will meine Kamera nicht mehr. Das Objektiv bleit einfach ausgefahren und wilk sich nicht mehr vom Fleck rühren. Auch der Wechsel des Akkus bringt keine Verbesserung des Situation.  Das hat mir jetzt noch gefehlt. Dann muss ich jetzt wohl mit dem Handy fotografieren.
Im Zentrum angekommen besorge ich mir in einem Supermarkt zwei Flaschen Wasser und anschließend im Hard Rock Cafe noch zwei Pins. Dann wird es Zeit , zur Kathedrale zu gehen, die um 10 Uhr geöffnet hat, um den ersten Stempel zu empfangen. Da treffe ich auch Brigitte und Michael wieder und wir gehen gemeinsam zum Ufer des Douro. Von dort aus ist die Haltestelle Infante unser Ziel. Die ersten Kilometer werden mit der historischen Electrico zurückgelegt.
An der Endstation trennen sich unsere Wege, da die beiden sich etwas zu essen besorgen möchten. Die Promenade am Atlantik ist heute sehr gut besucht, viele Spaziergänge und Jogger sind unterwegs,  und auch der Strand ist stark belegt. Das Meer ist etwas aufgewühlt und es weht eine ordentliche Brise. Nachdem die Touri-Info von Matosinhos noch geschlossen hatte, bekomme ich meinen Stempel in der kleinen Außenstelle am nördlichen Rand der Stadt.  Hier ist der Atlantik noch aufgewühlter, und Millionen von Wassertropfen bewirken in der Ferne eine trübe Szenerie. Ist man jedoch an der entsprechenden Stelle angelangt, strahlt die Sonne unerbittlich und ungestört vom Himmel herab. Von weitem ist jetzt der markante Obelisk zu sehen, an dem ich meine erste Rast einlege. Eigentlich viel zu spät, geht es mir durch den Kopf. Das muss ab morgen anders werden. Es gesellt sich ein junger Mann aus der Nähe von Kaiserslautern zu mir und wir quatschen ein wenig. Während wir an Obelisken sitzen, gehen zwei Mädels und ein Pärchen an uns vorbei, die ich aber bald wieder einholen werde.
Ich verabschiede mich von meinem Gesprächspartner und starte zu den letzten rund fünf Kilometern. Gegen 16:00 Uhr und erreiche den Campingplatz Orbitur und werde von der Hospitalera Ulrike empfangen. Die 24,2 km vergingen heute wie im Flug - gut, ein Teil auch in der Electrico. Nach der Erledigung der Formalitäten bekomme ich den Boogie 506 zugewiesen. Ich zahle noch das abendliche Pilgermenü und mache es mir dann in meiner Unterkunft bequem. Klar,  dass zunächst gewaschen wird und ein Besuch im Pool ist auch ein Muss. Inzwischen sind viele der Mobilheime mit Pilgern belegt. In diesem Jahr ist auf dem Caminho Portugues ganz schön was los.
Auf den Weg zum Essen treffe ich erneut Brigitte und Michael, die ihren Tag ebenfalls hier beendet haben.



 





Donnerstag, 8. Juni 2017

Es kribbelt in den Füßen

Es sind nur noch vier Tage bis zum Abflug nach Porto. Die letzte Zeit war sehr ausfüllend, sowohl im Dienst als auch zu Hause. Während meiner Abwesenheit wird unsere Wohnung etwas aufgehübscht. Die Vorarbeiten dazu haben wir in den vergangenen Wochen geleistet: Tapeten entfernt, alte Böden herausgerissen und fast alle Möbel auf dem Dachboden deponiert. Ab Montag geben sich dann Elektriker, Innenausstatter, Rolladenbauer, Verputzer und Bodenverleger die Klinke in die Hand. Es wird eine große Sauerei mit Lärm und Staub geben. Am vergangenen Wochenende waren wir mit der ganzen Familie am Nürburgring bei Rock am Ring und morgen fungiere ich noch als Organisationsleiter des Volkslaufes unseres Sportvereines.

Und dann wird es endlich Zeit, dass ich mal das Ventil öffne und einen freien Kopf bekomme. Die Vorfreude auf den Camino wächst täglich - und ich weiß, dass mir der Weg gut tun wird. Eben habe ich ein wenig in der Facebook-Gruppe Caminho Portugues gestöbert. Das hätte ich besser lassen sollen, denn mein Fernweh ist dadurch noch gewachsen.

Das kommende Wochenende werden wir noch die restlichen Möbel aus der Wohnung bringen und ich muss meine Rucksack packen, bevor es dann am Montag mitten in der Nacht mit dem Bus von Koblenz zum Flughafen Hahn geht.

Samstag, 27. Mai 2017

Intensität der Vorbereitungen nimmt deutlich zu

Es wird mir immer mehr bewusst, dass der Zeitpunkt meiner Abreise vom Flughafen Hahn unaufhaltsam näher rückt. Am 13.05. durfte ich bereits den Check-In für den Hinflug durchführen. Nach fast zwei Wochen Wartezeit folgte gestern auch der Rückflug. Ich hatte Glück und bekam für beide Flüge jeweils einen Platz am Gang zugewiesen.

Inzwischen habe ich meine Pläne für die Route noch einmal überdacht und werde ab Pontevedra auf die Variante Espiritual abbiegen, um dort über Armenteira nach Vilanova de Arousa zu Pilgern. Ab dort folge ich der Translatio des Jakobus und fahre mit dem Boot nach Pontecesures, um wieder auf den Caminho Portugues zu stoßen.

Heute habe ich mich kurzfristig entschieden, meine Hanwag Wanderstiefel nicht mitzunehmen. Das Streckenprofil rechtfertigt meiner Ansicht nach nicht die Nutzung der schweren Stiefel. Als Alternative habe ich mir heute ein Paar Meindl Portland GTX-Trekkingschuhe zugelegt. Ich habe jetzt gut zwei Wochen Zeit, die Schuhe einzulaufen.

Mittwoch, 10. Mai 2017

Unterkunft festgemacht

Allmählich werden die Aktivitäten für meine diesjährige Pilgertour auf dem Caminho Portgues da Costa intensiver.

Eine grobe Planung meiner Route habe ich bereits vor Wochen abgeschlossen. Dabei habe ich sogar versucht, durch ein erhöhtes Tagepensum noch ein paar Tage herauszulaufen, um auch noch nach Fisterra zu gehen. Es war mir allerdings nicht möglich, drei Tage gutzumachen, und auf ein Wettrennen habe ich keine Lust. Also werde ich wahrscheinlich mit dem Bus nach Fisterra fahren, um dort zm Abschluss einen hoffentlichen traumhaften Sonnenuntergang zu erleben.

Heute erfolgte zudem der nächste Schritt mit der Reservierung eines Mobilheimes auf dem Campingplatz Orbitur Angeiras.

Montag, 21. November 2016

Santiago, wir sehen uns im nächsten Jahr

Zweimal durfte ich bereits nach Santiago de Compostela laufen, im kommenden Jahr kehre ich erneut zurück in den westlichen Zipfel von Galizien. Es wird wieder eine neue Erfahrung für mich werden, denn ich mache mich alleine auf den Weg.

Jörg möchte sich seinen Traum, einen Ironman zu finishen, erfüllen. Nachdem ihm seine Gesundheit in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, versucht er es noch einmal und wird beim Ironnman in Frankfurt an den Start gehen. Dafür drücke ich ihm jetzt schon beide Daumen und wünsche ihm von Herzen ein gutes Gelingen mit einem tollen Finish auf dem Römerberg.

Olli plant ebenfalls einen Camino, allerdings zusammen mit seiner Freundin. Sie nehmen sich Ende Mai, Anfang Juni den Caminho Portgues vor. Beiden wünsche ich ebenfalls schon heute ein tolles Erlebnis.

Nur wenige Tage nach der Rückkehr der Beiden mache ich mich auf den Weg. Am 12. Juni 2017 fliege ich nach Porto und begebe mich auf den Caminho Portugues da Costa. Alleine. Ich bin schon jetzt gespannt, was mich erwartet. Bisher konnte ich mich auf meine Begleiter abstützen - das entfällt nun. Nun muss ich in allen Situationen alle Entscheidungen selbst treffen. Da muss ich bestimmt hin und wieder auch einmal über meinen Schatten springen. Diese Herausforderung nehme ich an und freue mich schon heute: auf den Weg, vor allem auf die unbekannten Abschnitte; auf Bekannte vom letzten Mal; auf die Menschen, die ich unterwegs treffe.

Heute habe ich die Flüge gebucht - das Abenteuer kann beginnen.