29.05.2026: San Bol - Itera de la Vega (25,2 km)
Auch heute geht es wieder früh auf den Camino. Ich habe mal wieder gut geschlafen, ohne konzertante Begleitung. Einen guten Schlafindex hat mir meine Garmin ebenfalls bestätigt. Alle Pilger sind schon früh auf den Beinen. Es zieht sich dennoch etwas in die Länge, da es nur ein Bad gibt, in dem neben dem Waschbecken auch das WC verortet ist. Als eine der ersten sind Jörg und ich aus dem Haus, nur die junge Koreanerin ist vor uns losgezogen. Es geht in der Dämmerung direkt wenig aufwärts, hinter uns ist der Horizont aber schon in roten, orangenen und gelben Tönen eingefärbt. Wir brauchen eine gute Stunde bis Hontanas, wo wir ein kleines Frühstück einnehmen. Draußen wird eine Temperatur von 17 Grad angezeigt, das ist sehr angenehm. Doch es wird noch wärmer werden.
Danach wandern wir gemütlich auf einem schmalen Pfad durch ein ausgesprochen grünes Tal, passieren dort eine Ruine. Es handelt sich wohl um die Reste eines Stützpfeilers der Kirche des nicht mehr existierenden mittelalterlichen Dorfes Valdemoro. Dieses Dorf mit seiner dem Heiligen Vinzenz geweihten Kirche und wahrscheinlich einem gleichnamigen Kloster wird 1173 erwähnt, taucht jedoch nicht in den Kirchenbüchern von 1591–1594 auf, was vermuten lässt, dass es zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen war. Schließlich erreichen wir die imposanten Ruinen des Convento de San Anton. Das Kloster wurde im 14. Jahrhundert erbaut, aber schon 1791 aufgelöst. Durch den doppelten Spitzbogen neben der Kirche führe früher und auch heute noch der Jakobsweg.
Es dauert rund drei weithin sichtbare Kilometer, bis wir im Castrojeriz sind. Obwohl der Ort nur rund 800 Einwohner zählt, findet man drei Kirchen und braucht rund eine halbe Stunde, bis man ihn durchquert hat. Am Ortsausgang wird uns besser. Ab hier haben wir ständig vor Augen, was uns sehr bald erwartet - nämlich ein circa ein Kilometer langer, sehr steiler Aufstieg, der uns von einer Höhe von 770 Metern auf 920 Meter schwitzen lässt. Der Ausblick ist zwar wunderbar, wir genießen aber noch viel mehr die kurze Trink- und Erholungspause. So steil wie es hochging, geht es jetzt auch abwärts. Wir bemitleiden die Fahrradpilger, die hier mit äußerster Vorsicht den Hang heruntersausen müssen.
In der Ferne, am Ende des sich durch die Getreidefelder schlängelnden hellen Weges, sehen wir die Umrisse eines Foodtrucks, der nur rund drei Kilometer vor unserem Tagesziel Itera de la Vega steht. Und tatsächlich, wir haben uns nicht geirrt. Mit je einer Dose Cola werden noch einmal Energiereserven freigegeben. Wir laufen an der Capilla San Nicolas vorbei, die seit 1994 zur Pilgerherberge umfunktioniert wurde und von einer italienischen Gesellschaft betreut wird. Unmittelbar dahinter befindet sich die Puente Fitero, die mit dem Rio Pisuerga die Grenze zwischen den Provinzen Burgos und Palenca bildet. Ab hier sind es noch knapp zwei Kilometer bis Itera de la Vega. Kaum haben wir den Ort betreten stehen wir um ziemlich genau 12:00 Uhr vor unserer Unterkunft.
Die Aufnahme dauert allerdings noch bis 13:30 Uhr. Die Zeit verbringen wir kurzweilig bei kalten Getränken. Wir erhalten ein Vierbettzimmer mit eigenem Bad. Später soll eine Pilgerin dazugekommen, aber ihr gefallen die beiden verbliebenen Betten nicht und wird anderweitig untergebracht. Oder sind wir etwa der Grund? Wir haben die uns bisher noch nicht einmal daneben benommen. Später gesellt sich Sonja, eine Endvierzigerin aus München, zu uns. Erfreulicherweise möchte sie morgen um 5:00 Uhr aufstehen. Damit ist sie bei uns herzlich willkommen. Später wird das Zimmer komplettiert mit der Düsseldorferin.
























































