11.06.2026: Triacastela - Vilei (23,1 km)
Es war eine unruhige Nacht, die Matratzen machten bei jeder Bewegung ein lautes Geräusch. Wie sind natürlich wie immer um 5:00 Uhr wach. Auf dem Flur sind ein paar Italiener schon eifrig dabei, eine große Pfütze mit Toilettenpapier vom Boden zu entfernen. Ich schnappe mir meinen Rucksack und gehe in Küchenbereich, um mich auf den Tag vorzubereiten. Es dauert nicht lange, bis die italienische Gruppe mit Verstärkung dort ebenfalls auftaucht und sich lautstark unterhält. Sie sind nicht in der Lage, sich in einer angemessenen Lautstärke zu unterhalten. Schade, von Pilgern hätte ich mehr Rücksicht erwartet.
Um kurz vor stehen wir auf der Straße, mit langen Ärmeln und starten in den nächsten Pilgertag. Es sind gerade zwei Kilometer vergangen, da prüft Jörg noch einmal den Inhalt seines Rucksackes und stellt fest, dass er seinen Kulturbeutel in der Herberge vergessen hat. Option 1: zurück gehen, das sind vier Kilometer zusätzlich. Option 2: Mist, ist so und weiter, im nächsten Supermarkt Deo, Zahnbürste und -pasta nachkaufen. Jörg zieht Option 2!
Danach wird es interessant. Es geht wieder bergauf, ganze 200 Höhenmeter auf einem überschaubaren Abschnitt. Wir sind wieder so hoch, dass wir vereinzelte Wolken im Tal verweilen sehen. Es geht weiter aufwärts und die Sonne hat gar keine Chance, die Wolkendecke zu durchbrechen und uns aufzuwärmen. Eigentlich ist das tägliche Frühstück längst überfällig, es ist schon 8:00 Uhr. Da tut sich in Furela eine Möglichkeit auf. Links vom Weg befindet sich die Casa de Franco und scheint geöffnet zu sein. Es gibt dort leckeren Café con leche und ein genauso leckeres Boccadillo mit Schinken und Käse.
Allmählich kommt die Sonne durch die Wolken, muss aber immer wieder etwas zurückstecken und von vorne beginnen. Wir wandern durch Wald, zahllose Vögel bieten uns ein frühes Konzert und vor Sarria schafft die Sonne es tatsächlich. Um 10:45 Uhr treffen wir in Sarria ein. Ab hier sind es noch rund 110 Kilometer bis Santiago. Viele Pilger nutzen das aus und beginnen hier ihre Pilgerwanderung. Mit dieser Distanz können sie die Compostela in Santiago erhalten. Es könnte also sein, dass es ab sofort etwas voller auf dem Camino werden könnte. Das werden wir in den kommenden Tagen erfahren.
In einem kleinen Shop deckt sich Jörg mit den fehlenden Hygieneartikeln ein, bevor wir in einer Bar eine zweite Pause einlegen. Eigentlich ist es nicht mehr weit bis zu unserer Unterkunft. Ab Sarria gibt es die Option, eine kürzere Strecke zu wählen, die allerdings eine weitere ordentliche Steigung beinhaltet. Das ist genau unser Ding. Als der Kilometerstand auf meiner Uhr nicht mehr weit von der geplanten Streckenlänge entfernt ist, werde ich misstrauisch. Und tatsächlich, wir sind deutlich nördlicher von unserem Ziel als gedacht. Die Abkürzung erweist sich als Fehler. Zu unserem Glück zweigt eine Straße nach links zum eigentlichen Ziel ab. Zunächst landen wir aber in Vilar, einem kleinen Weiler mit drei Häusern, zwei ausgewachsenen Bullen, drei bellenden Hunden und einer hilfsbereiten Frau. Mit deren landen wir auf einem Feldweg, die nachfolgende Straße bringt uns direkt vor unsere Herberge. Statt 1,5 Kilometer kürzer wird es halt 1,5 Kilometer länger. Um 12:45 Uhr sind wir da, Einlass ist aber erst in einer Dreiviertelstunde.
Die Wartezeit vergeht rasch und wir freuen uns über unser großzügiges Zimmer, in dem maximal sechs Personen Platz finden. Wir beeilen uns mit dem Duschen, denn bald treffen Marion und Uwe hier im Vorbeigehen zu ihrer rund 600 Meter entfernten Unterkunft vorbei. Bei einem Kaltgetränk tauschen wir uns noch ein wenig aus. Mal sehen, wann wir uns wieder sehen - spätestens in Santiago. Die beiden sind die einzigen, die wir am ersten Tag in der Herberge Uterga kennengelernt haben und die wir heute immer noch gerne treffen. Außerdem sind noch vier junge Frauen hier, die bestimmt noch nicht lange auf dem Camino unterwegs sind. Ihre Schuhe sehen jedenfalls nicht nach 600 Kilometern Staub aus. Davon werden wir wie bereits angesprochen, in den kommenden Tagen noch mehr sehen.

















































