25.05.2036: Santo Domingo de la Calzada - Belorado (23,0 km)
Ein erster Weckruf ertönt um 4:40 Uhr, dann noch einmal um 5:30 Uhr. Es ist einer der weißen Hähne, die im Garten der Herberge zusammen mit ein paar weißen Hühnern gehalten werden. Sie verrichten eigentlich ihren Dienst im Hühnerstall der benachbarten Kathedrale. Wenn dort beim Betreten der Kirche der Hahn kräht, bedeutet das Glück für die Person. Ich transferiere das jetzt einfach mal auf uns alle in der Herberge. Das Krähen des Hahnes ist für die meisten das Zeichen für die Vorbereitung auf den Tag. Auch in unserem mit 16 Personen belegten Raum wird es unruhig und am Ende sind wir nur noch zu Viert und können getrost das Licht anschalten. Ich gehe noch die Zähne putzen, da wird mir von Nick ein fröhliches „Moin“ entgegengebracht. Das hatten wir ihm vor zwei Tagen als kurzen Morgengruss beigebracht. Das nutzt er jedes Mal, wenn wir uns sehen.
Um 6:45 Uhr geht es los. An der Kathedrale und dem Parador vorbei verlassen wir die Stadt in Richtig Westen. Da die Sonne bekanntlich im Osten aufgeht, haben wir sie direkt im Rücken. Unsere Schatten, die ständigen und nicht abschüttelbarenden Begleiter haben in den frühen Morgenstunden eine beträchtliche Länge - ich tippe mal auf mindesten das dreifache. In Grañón finden wir einen Foodtruck vor, aber die lange Schlange davor schreckt uns ab und wir hoffen eine weitere Chance, etwa zum Frühstück zu bekommen. Es folgen jetzt außerdem in kurzen Abständen mehrere kleinere Gemeinden, in denen es etwas gibt.
Inzwischen sind wir on der Provinz Castilla y León. Erst bei Kilometer 13 in Castildelgado verlassen wir kurzzeitig den Camino und lassen uns der der ausgiebigen Pause das Frühstück schmecken. Dabei entdeckt Jörg am linken großen Zeh eine Blase. Wie konnte das bloß passieren? Er hat zwar etwas gespürt, aber nicht rechtzeitig nachgeschaut, wie wir es eigentlich immer machen. Hirschtalg drauf, so wird es gehen. Auch bei mir ist es ein Zeh am linken Fuß etwas gereizt, aber noch unauffällig. Das bringt mich auf das Thema Schuhe. Man sieht an sehr vielen Füße Hoka und Altra. Oftmals sind die gewählten Schuhe aber nicht optimal. Viele Pilger knicken stark ein und benötigen eigentlich mehr Stabilität oder Einlagen in den Schuhen. Bei den Altras fällt immer wieder auf, dass die Schuhe einfach zu weit sind. Bei jedem Schritt bildet sich eine starke Falte.
Die heutige Route ist nicht ganz so attraktiv, es geht über viele Kilometer entlang einer im Bau befindlichen Autobahn und der N120, auf der sehr viele LkWs mit hohem Tempo fahren. Zum Glück verläuft unser Weg etwas abseits davon und durch einen Grünstreifen und Leitplanken getrennt. Auffällig ist, dass heute nur sehr wenige Fahrradpilger unterwegs sind. Bei Kilometer 18 lacht uns in Villamayor auf der anderen Straßenseite eine Bar an. Da sagen wir gerne Danke und versorgen uns mit einem kühlen Getränk. Inzwischen steht die Sonne sehr hoch und unsere Schatten werden deutlich kürzer, beginnen mit uns zu verschmelzen. Die letzten fünf Kilometer fliegen entlang der N120 dahin und wir erreichen gegen 13:00 Uhr die städtische Herberge El Corro, die wir bereits gebucht haben. An der Anmeldung stehen direkt vor uns schon Marion und Uwe. Wir werden gleich zusammen eine Waschmaschine füllen und uns nachher auf die Suche nach etwas Essbaren machen.




























































