30.05.2026: Itero de la Vega - Villalcázar de Sirga (28,4 km)
Pünktlich um 5:00 Uhr werden wir von Sonjas Wecker daran erinnert, aufzustehen. Nach einer Dreiviertelstunde sind wir soweit, dass wir aufbrechen können. Sonja ist bereits vor uns gestartet, Jörg, Simone und ich etwa später. Aus dem großen Schlafsaal nebenan ist noch kaum Aufbruchstimmung zu hören, lediglich ein Pilger hat sich aus dem Raum geschlichen und bereitet sich draußen vor. Unmittelbar hinter der Herberge steht ein Gerät, dass durchlaufende Pilger zählt. Vor uns waren es erst zwei. Ja, heute gesellt sich Simone dazu und wird uns bis zu unserem Zielort begleiten.
Wie zuletzt wandern wir noch in der Dunkelheit durch Felder. Neben unseren knirschenden Schritten sind lediglich Vögel und die surrenden Bewässerungsanlagen zu hören. Auf einigen Feldern wird Heu geerntet, das in Reihen zum Trocknen zusammengeräumt wurde, bevor es zu großen Ballen gepresst und zu hohen Türmen gestapelt wird. Es erschließt sich mir jedoch nicht, wofür das Heu verwendet werden soll, denn Vieh ist hier weit und breit nicht zu sehen.
Inzwischen habe ich festgestellt, dass ich jeden Tag etwa drei bis vier Kilometer Wegstrecke benötige, bis ich meinen Rucksack nicht mehr spüre. Zu Beginn eines jeden Pilgertages drückt sich der Hüftgurt feste in den Beckenkamm. Dann kommt der Zeitpunkt, an dem ich gar nicht mehr spüre, dass ich etwas auf dem Rücken trage. So soll es auch sein. Gegen 7:30 Uhr erreichen wir Boadilla del Camino und machen in der Albergue uns Bar En El Camino unsere Frühstückspause. Außerdem treffen wir dort wieder Sonja, die wir eigentlich schon deutlich früher eingeholt haben wollten. Beim deutsch sprechenden Hospitalero bestellen wir alle ein Omelette, dass in einem großen Stück Baguette serviert wird. Auf dem Turm der Pfarrkirche Nuestra Señora de la Asunción sitzen neben einem stolzen Storch ein paar Tauben. Storchennester findet man hier auf jeder höheren Erhebung.
Nach kurzer Zeit landen wir vier am Canal de Castilla. Dieser wurde im 18. und 19. Jahrhundert mit einer Länge von über 200 Kilometern gebaut und auf ihm sollte Getreide bis nach Santander transportiert werden. Wir laufen auf dem Treidelpfad nebenan und verabschieden uns von Sonja. Kurz vor Frómista verlassen wir an vier Schleusen mit einem Höhenunterschied von vierzehn Metern den Kanal und biegen in die Stadt ab. Erneut legen wir eine kurze Trinkpause ein.
An einer Brücke in Población de Campos müssen wir uns zwischen zwei Wegvarianten entscheiden. Entweder die kompletten verbleibenden zwölf Kilometer an der Seite einer Straße oder zumindest ein Stück schattiger und ruhiger auf einem Feldweg. Wir entscheiden uns für letztere Möglichkeit. Nach vier Kilometern verlassen wir diesen Weg und schwenken nach Revenga de Campos, auch in der Hoffnung, in der dortigen Bar etwas trinken zu können. Diese hat zu unserem Leidwesen geschlossen und der davor platzierte Automat spuckt die eingeworfenen Münzen mit gleicher Geschwindigkeit wieder aus. Zum Glück können wir auf unsere Wasservorräte zugreifen. Der letzte Abschnitt ist nicht mehr ganz so schön - nur schnurgeradeaus an einer Straße entlang und der immer heißer werdenden Sonne über uns. Schließlich taucht hinter einer leichten Kurve die markante Silhoutte der Iglesia Santa Maria La Blanca von unserem Zielort Villalcázar de Sirga auf.
Gegen 13:00 Uhr stehen wir vor unserer Unterkunft, trinken aber zuerst einmal zur Erfrischung ein großes Radler. Während Simone für Touristen Fotos schiesst erhalten Jörg und ich unser Doppelzimmer. Wir stellen zunächst nur unsere Sachen ab und wollen uns von Simone verabschieden, die noch sechs Kilometer weiter bis Carrión de los Condes vor sich hat. Wir setzen uns zu ihr, es gesellt sich noch eine Australierin dazu. Da gerade die Kirche geöffnet ist, nutze ich die Gelegenheit zur Besichtigung. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist ein Vermächtnis der Templer. Schon die schmucken Portale sind beeindruckend, aber auch das eigentlich nüchterne Innere kann sich sehen lassen. Als ich wieder bei den anderen am Tisch sitze, läuft gerade ein Pilger mit seinem Esel an uns vorbei und sorgt dafür, dass fast alle Leute versuchen, ein tolles Foto zu bekommen. Nachdem wir uns von Simone verabschiedet haben, wird es endlich Zeit für die Dusche und eine kurze Ruhepause. Wir sind hier im 160-Seelen-Dorf relativ alleine, nur wenige Pilger übernachten hier.





















































