Freitag, 5. Juni 2026

Kathedrale Nr. 3: Astorga

05.06.2026: San Martín del Camino - Astorga (23,1 km)


Meine Uhr sagt mir, dass mein SleepScore der letzten Nacht ausgezeichnet war. Wir haben wohl so gut geschlafen, dass wir sogar verschlafen haben. Nun ja, eine halbe Stunde später als sonst aufzustehen muss nicht gleich mit verschlafen gleichgesetzt werden. Dafür sind wir wesentlich schneller abmarschbereit als an allen bisherigen Tagen. Wir verlassen kurz nach 6:00 Uhr die Herberge und bleiben zunächst eine Zeit lang an der N120. Nach fast sieben Kilometern verlassen wir sie und wechseln auf einen Feldweg, der uns nach Hospital de Órbigo bringt. Unterwegs können wir auf einem Glockenturm wieder einige Störche beobachten. Über die langgezogene Puente de Órbigo laufen wir an einem Turnierplatz vor und der Ort ist festlich geschmückt. Ab morgen finden hier ritterliche Turniere statt.


Nach der wohlverdienten Frühstückspause mit schönstem Blick auf die Brücke geht es weiter. Es gibt zwei Möglichkeiten: entlang der N120 oder die etwas längere Variante durch die benachbarte Landschaft. Wir bleiben der Straße treu, bezahlen das mit zwei deftigen Anstiegen, die nach dem Neubau der „Rennpiste“ über die nicht mehr genutzte Trasse führt. Wir kommen weiterhin gut vorwärts und erreichen bald auf einer Anhöhe das Crucero de Santo Toribio. Von hier aus kann man schon in der Ferne die Türme der Kathedrale von Astorga sehen. Es geht aber zunächst abwärts nach San Justo de la Vega, wo wir noch einmal pausieren.


Die letzten drei Kilometer bis Astorga vergehen sehr schnell, sodass wir pünktlich um 12:00 Uhr vor der Albergue My Way stehen. Ein paar andere Pilger sind bereits da und warten im Garten darauf, dass wir eingelassen werden. Das passiert binnen weniger Minuten durch Lisa, einer Schweizerin, die hier aufgewachsen ist. Die Herberge ist spitze, an viele Kleinigkeiten wurde gedacht und wir fühlen uns direkt sehr wohl. Nachdem alles erledigt ist, was immer zu erledigen ist, begeistert sich Jörg für eine Massage, während ich in die Stadt gehe. 


Mein Weg führt direkt zur Kathedrale, wo ich am Eingang einen Kopfhörer für Erklärungen bekomme. Der Weg des Besuchers wird zuerst durch das Museum geleitet, danach über den Kreuzgang in das Kircheninnere. Im Vergleich zu den Kathedralen von Burgos und León wirkt diese hier sehr nüchtern und rangiert in meiner Rangliste leider nur auf Platz 3. Vielleicht liegt es auch daran, dass gerade lärmende Arbeiten durchgeführt werden. Aber auch die Seitenkapellen sind weder vergittert noch zum Teil in keinem guten Zustand, an den Altären blättert teilweise der Putz ab. Auf die Jakobus-Kapelle hat man aufgrund der Arbeiten nur eine eingeschränkte Sicht. Interessanter ist dagegen der benachbarte Bischofspalast, der von Antoni Gaudi 1889 begonnen  wurde. Nach einer 20-jährigen Unterbrechung vollendete Ricardo Guareta bis 1914 den Bau, da Gaudi sich von dem Projekt zurückgezogen hatte. Der damalige Bischof wollte den Palast nicht nutzen, so dass diese zunächst leer stand, 1936 im spanischen Bürgerkrieg vom Militär genutzt wurde. Seit 1963 ist hier das Museo de los Caminos beheimatet. Dennoch sind neben der Ausstellung vor allem das Kellergewölbe, die Kapelle sowie Arbeits-, Speise- und Empfangszimmer sehr imposant und sehenswert.





















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