Mittwoch, 3. Juni 2026

Kathedrale Nummer 2: León

03.06.2026: Reliegos - León (23,9 km)


Erneut kappt es mit dem frühen Aufstehen und Fertigmachen ohne große Geräuschkulisse. Wir haben uns wirklich bemüht, keinen zu stören. Im Gegensatz zu einem asiatischen Pilger, der gestern Abend noch einen Berg Holz zerkleinert hat. Jedenfalls stehen wir kurz vor sechs Uhr auf der Straße - heute sind wir die ersten. Es fällt direkt auf, dass es deutlich kälter ist als die letzten Tage. Schon am Ortsausgang von Reliegos an einem Pilgerdenkmal setzen  wir die Rucksäcke ab und ziehen uns wärmer an. Es wird jeden Tag ein wenig früher hell und so erkennen wir auch bald den Grund für die tiefen Temperaturen. Der Himmel ist wolkenverhangen. Es gibt kurz darauf noch einen schönen Sonnenaufgang,  doch die Wolkendecke lässt keine wärmenden Strahlen durch. Wir laufen wie gestern zunächst auf einer ungenutzten Straße, lassen den eigentlichen Pilgerstreifen neben uns und sehen endlich einmal auf einer Weide sich langweilende Rinder.


Wir hoffen, in Mansillas de las Mulas eine Möglichkeit für das Frühstück zu finden. Daraus wird allerdings nichts. Dafür finden wir den koreanischen Onkel und seinen Neffen, die uns auf Ihre freundliche Art begrüßen. Im übrigen sind heute wieder deutlich mehr Menschen mit großen und kleinen Rucksäcken unterwegs. Das liegt wahrscheinlich am Tagesziel León, das für viele ein Muss ist. Erst nach circa 11 Kilometern kehren wir in Villamoros (was soviel wie Stadt der Mauren bedeutet und auf die frühere maurische Vorherrschaft hinweist) in einer Bar ein bekommen dort ein Bocadillo in der nun gewohnten Größe serviert. 


Endlich verlassen wir die Straße und haben wieder mehr Natur um uns herum. Auch schon einmal gesehene Pilger laufen uns nun über den Weg wie der in „Badelatschen“ pilgernde, langhaarige Waliser, der inzwischen gerne seinen eigenen Stempel verteilt und sich DJ Yann nennt. Auch der Küchenmeister sowie die amerikanische Wackelente mit Freundin haben wieder einmal unsere Wege gekreuzt. Um 10:30 Uhr werden wir von der eigentlichen Route weggeführt. Inzwischen hat sich die Sonne gegen die Wolken durchgesetzt, sodass wir wieder leichter bekleidet unterwegs sein können. Dadurch ergibt sich aber eine weitere Pause in Valdeafuente. Es sind jetzt nur noch rund 5 Kilometer. Hinter dem nächsten Hügel sehen wir gerade ein Flugzeug starten und direkt danach wird die Kathedrale von León sichtbar. Schon aus der Ferne wirkt sie sehr imposant. Auffällig sind wieder einmal die vielen Storchennester, die so ziemlich auf jeder Erhöhung zu sehen sind. Nahe der mittelalterlichen Castro-Brücke werden die Pilger von ehrenamtlichen Helfern der Proteccion Civil León begrüßt und mit einem Stempel ausgestattet. 


Gegen 12:30 Uhr erreichen wir die Pilgerherberge der Franziskaner in León und bekommen unser Zimmer zugewiesen, das im dritten Stock liegt, aber mit einem Fahrstuhl zu erreichen ist. Wir machen uns frisch, geben unsere Wäsche ab und suchen uns in der Stadt etwas zu essen. Unsere Wahl fällt auf eine Trattoria, wo wir ein leckeres Menü bekommen. Am späten Nachmittag gehen wir noch zur Kathedrale. Im Vergleich zu Burgos ist sie etwas nüchterner, wirkt aber durch die bunten Fenster bei Sonneneinstrahlung auf ihre eigene Art. Auf dem Rückweg zur Herberge tauscht Jörg noch seine nicht mehr ganz intakte Sandale aus. Bevor wir noch einen Snack zum Abend einkaufen, huscht Jörg noch schnell zum Frisör rein und lässt sich Haare und Bart schneiden. Ich freue mich, wenn es morgen wieder raus aus León geht. Mir ist es hier zu voll, zu laut und zu unruhig.
















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