In ein paar Tagen ist es endlich soweit: was 2008 mit den ersten Etappen auf dem Lahn-Camino von Wetzlar nach Villmar begann, wird in wenigen Wochen das Finale in Santiago de Compostela erfahren. Meine ersten Pilgertage auf einem Jakobsweg liegen schon weit in der Vergangenheit. Zunächst waren es weinige zusammenhängende Tage auf dem Lahn-Camino (für den ich inzwischen verantwortlich bin) und dem Mosel-Camino bis Trier zum Grab des Apostels Matthias. Ab 2011 war ich nicht mehr alleine. Jörg hatte ich bei einer Pilgerrüstzeit des evangelischen Militärpfarramtes Mainz auf dem Lahn-Camino kennengelernt und wir verstanden uns auf Anhieb. Ich erzählte ihm von meinem Vorhaben, zu Fuß bis Santiago zu laufen. Spontan kam von ihm als Antwort: "Da bin ich dabei."
Innerhalb von drei Jahren liefen wir in drei jeweils vierzehntägigen Abschnitten zusammen von Merzkirchen bis zum Wallfahrtsort Vézelay im Burgund. Danach gab es durch persönliche Vorhaben einige Jahre Pause, die wir beide allerdings 2015 mit einem Ausflug auf den Camino Portugues nutzten. Erst 2019 sollte es in Vézelay weitergehen, danach stoppte uns die Covid-Pandemie, sodass wir 2023 wieder in La Souterraine in die Via Lemovicensis einsteigen konnten. Ein Jahr später erreichten wie den Pyrenäen-Ort Saint-Jean-Pied-de-Port, wo die meisten Pilger den Camino Frances beginnen. Wir überquerten unmittelbar danach noch die Pyrenäen und beendeten diese Pilgerwanderung in Pamplona. Die Entscheidung erwies sich als richtig, denn wir hatten deutlich weniger Mühe, den Gebirgszug im Vergleich zu den in Saint-Jean-Pied-de-Port gestarteten Pilgern zu bezwingen. 2025 waren wir noch einmal auf dem Camino Portugues da Costa unterwegs, bevor nun das Finale ansteht.
Bis jetzt habe ich ab Wetzlar 1822 Kilometer zu Fuß zurückgelegt, davon knapp 1500 zusammen mit Jörg. Wir haben dabei sehr viel erlebt: von matschigen Wegen, unzureichenden Markierungen, Orientierung mit Kompass und Landkarten (!) im Gelände, tollen Menschen in den Unterkünften, kleine Dorfkirchen und prächtige Kathedralen, hilfsbereite Einheimische, wunderschöne Landschaften, interessante Mitpilger und noch vieles mehr.
Für das letzte Abenteuer sind die Vorbereitungen abgeschlossen - das Reisegepäck steht bereit und Jörg und ich sind schon gespannt, was uns in den nächsten fünf Wochen erwartet.