04.06.2026: León - San Martín del Camino (25,7 km)
Unsere Zimmerbelegung in dieser Nacht war sehr strange. Noch nie haben wir eine solche Zusammenstellung gehabt. Schon als wir gestern zum ersten Mal das Zimmer betraten, herrschte eine seltsame Stimmung, keine Antwort auf unsere Begrüßung und auch sonst kein Wortwechsel, nicht eine Silbe. Zwei von sechs hatten es nicht nötig, die Einmalbezüge zu nutzen, einer davon schlief in den Klamotten, mit denen er heute unterwegs sein wollte. Einer knallte sämtliche Türen, auch mitten in der Nacht. Ok, dann eben nicht. Können wir auch. Wir haben alle mit Nichtbeachtung gestraft. Und heute nach dem Aufstehen sind wir viel zu brav. Wir haben nämlich gestern Abend unsere Sachen so vorbereitet, dass wir alles mit zwei Handgriffen aus dem Zimmer schaffen können.
Kurz vor 6:00 Uhr ist inzwischen Tradition geworden und auch heute halten wir uns an diese Zeit. Es geht zunächst durch das stille León, wo so gut wie niemand auf den Straßen anzutreffen ist. Nur ein paar Pilger schlagen die gleiche Richtung ein wie wir. Es dauert fast 90 Minuten, bis wir auch die Vororte hinter uns lassen. Es ist kalt, eine Anzeige einer Apotheke zeigt gerade 13 Grad an. Der Himmel ist noch stärker bewölkt als gestern und wir haben erneut wärmende Sachen an. In La Virgen del Camino bestaunen wir eine modernere Kirche aus dem Jahr 1961 von außen. Die Front ist mit Bronzestatuen versehen, die Maria und die zwölf Apostel darstellen. 1505 entstand an dieser Stelle eine Marienkapelle, da dort einem Hirten die Gottesmutter erschien.
Ab jetzt gesellt sich unsere Freundin, die stark befahrene N120, zu uns. Sie wird uns bis zum Tagesziel nicht mehr von der Seite weichen. Wir sind jetzt auch brave Pilger und nutzen den für uns vorgesehenen Pilgerstreifen. In Valverde de la Virgen sind wir über die Bewohner der Iglesia Santa Engracia erstaunt. Nicht weniger als fünf Storchennester sind auf dem Glockenturm und alle werden genutzt. Für den nächsten Ort, San Miguel del Camino, finden wir endlich eine Möglichkeit, ein Frühstück einzunehmen. Wir sind jetzt immerhin schon 13,5 Kilometer auf den Beinen und kämpfen mit einem zeitweise starken Gegenwind.
Das Wetter will einfach nicht besser werden. Um uns noch mehr vor dem Wind zu schützen, ziehen wir unsere regen- und winddichten Jacken von ProX an. Auch der Regenschirm wird gleich zum Einsatz kommen. Viel wichtiger aber ist, dass die Schuhe nicht nass werden, das könnte problematisch werden. Zum Glück fällt der Niederschlag nur sehr spärlich aus und lässt uns dann sogar ganz im Ruhe. Das haben wir schon so oft auf dem Jakobsweg erlebt. Wenn Regenjacke oder -schirm ausgepackt werden, streckt Petrus die Waffen und gibt sich geschlagen. So mögen wir das. Inzwischen dürften wir auch die 300-Kilometer-Marke erreicht haben. Die Entfernungsangaben, die man hier überall findet, fallen sehr widersprüchlich aus. Nach unserer Planung haben wir jedenfalls noch
285 Kilometer vor uns.
Der letzte Abschnitt für heute bringt uns wieder einmal etwas Neues. Links neben uns rauscht fließendes Wasser durch einen Kanal. Davon gibt es hier viele und sie dienen der Bewässerung der Felder. Meist hat das Wasser ein eher geringes Tempo. Doch wenn durch eingebaute Stufen ein künstlicher Höhenunterschied eingebaut wurde, rast es an uns vorbei. Die Landwirtschaft nimmt allmählich auch ab. Wir sind so gut wie am Ende der gefürchteten Meseta. Ich fand sie jetzt nicht so schlimm, wie sie immer dargestellt wird. Wir sind halt immer sehr früh unterwegs gewesen und haben uns dadurch der Mittagshitze entzogen. Gegen 12:15 Uhr treffen wir in San Martín del Camino in unserer Herberge ein - fast zwei Stunden zu früh. Wir dürfen aber dennoch einchecken und unsere Betten vereinnahmen. Inzwischen hat sich auch die Sonne gegenüber den Wolken durchgesetzt und es lässt sich auf der Terrasse ganz gut aushalten. Der Pool im Garten ist zwar verlockend, aber dazu ist uns einfach zu frisch.










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