10.02.2026: La Laguna de Castilla - Triacastela (23,5 km)
Ein eigenes Zimmer hat schon seine Vorteile, man wird nicht von anderen Pilgern gestört und hat einen guten Schlaf. Wir halten aber dennoch an unseren Gewohnheiten fest und stehen früh auf. Die Vorbereitung auf den Tag dauert eine gute Stunde: Toilette, Zähne putzen, Sonnenschutz auftragen, Füße mit Hirschtalg eincremen, Rucksack verpacken und Schuhe anziehen. Kurz nach 6:00 Uhr stehen wir vor der Herberge und müssen uns noch an die schummrige Umgebung gewöhnen. Vor uns sehen wir schon einige kleine helle Punkte, die sich am Horizont schräg aufwärts bewegen - Pilger mit Taschen- oder Stirnlampe. Wir bekommen das auch ohne Hilfsmittel hin. Es geht tatsächlich zunächst wieder aufwärts. Vor uns sehen wir zwei Leute, die gespannt Ausschau nach der aufgehenden Sonne halten. Auch Volker ist dabei und ruft uns einen guten Morgen zu. Nur wenige Schritte dahinter erreichen wir ein Monument mit den Wappen von Kastilien-León und Galicien. Wir stehen zum letzten Mal bei unserer Pilgerwanderung an einer Grenze zwei Regionen. Nur einen Schritt weiter und wir sind in Galicien - ein Meilenstein.
Und wieder dauert es nicht lange, bis wir dort in den ersten Ort einlaufen. O Cebreiro ist ein idyllischen Dörfchen mit seinen Natursteinhäusern. Sehenswert sind auch die runden Pallozas mit ihren Strohdächern. Da wir sehr früh dran sind, sind nur ein paar Pilger auf der Straße, die wie wir früh loslaufen. Den höchsten Punkt für heute haben wir aber noch nicht gesehen, es geht nun ständig auf und ab. Zunächst müssen wir über den Alto de San Roque (1279 m) mit seiner Pilgerfigur, vor der sich viele Pilger versammelt haben, um ein Foto zu machen. Die Uhr zeigt in Hospital da Condesa acht Kilometer. Genau nach unserer Vorstellung ist hier eine Bar, in der wir ein kleines Frühstück einnehmen. Wir sind nicht die einzigen, man kennt sich inzwischen. Danach geht es noch immer aufwärts. Hinter Padornelo taucht plötzlich eine richtig steile Wand vor uns auf, der letzte Anstieg zum 1335 Meter hohen Alto de Poio. Es ist immer noch kalt und hier oben weht ein noch kühlerer Wind.
Wir kommen gut voran, sind schon bald in Fronfría, wo wir eigentlich ein weiteres Päuschen einlegen wollen. Wir müssen allerdings bis zum letzten Haus im Dorf gehen, bis eine geöffnete Bar sichtbar wird. Neben einer Herberge und einem Bauernhof gibt es aber auch nicht viel. Erst als wir wieder weitergehen wollen, wird es interessant. Gegenüber der Bar steht ein Monolith, wie er früher zur Markierung des Caminos verwendet wurde. Den schaue ich mir aus der Nähe an und muss gleichzeitig sehen, wie Jörg von einer kleinen Gruppe von Rindern auf die Seite gedrängt wird.
Es geht nun ständig abwärts, wir verlieren heute etwas über 900 Höhenmeter. Zum Glück passiert das überwiegend sanft und gelenkschonend. Wir haben um 11:40 Uhr in Fillobal bereits zwanzig Kilometer auf dem Tacho und passieren eine weitere Bar, deren Aussenbereich sehr ansprechend wirkt. Wir haben Zeit. kehren ein und werden sogleich von DJ Yann und seinem Begleiter begrüßt. Die beiden nehmen anscheinend jede Pausenmöglichkeit mit. Der Rucksack von Yann ist sehr klein, und auf Nachfrage gibt er das Gewicht mit 4,5 Kilogramm an. Respekt. Erst als alle Stühle nicht mehr besetzt sind, machen wir uns auch wieder auf den Weg. Einige Pilger sind uns bisher noch nicht begegnet und es werden anscheinend auch mehr.
Wir verlieren durch schattige Hohlwege weiterhin an Höhe. Eine Menschentraube versammelt sich in Ramil. Dort ist eine 800 Jahre alte Kastanie zu bewundern, die einen sehr interessanten Wuchs vorzuweisen hat mit einer Stammesbreite von acht Metern. Nun sind es nur noch ein paar Minuten bis zu unserer Unterkunft mitten in Triacastela, einem kleinen Ort mit gerade einmal 600 Einwohnern. Als ich mir die Socken ausziehe, merke ich, dass die Blase am linken Fuß dem Druck beim Bergablaufen nicht gewachsen war und aufgegangen ist. Ich werde sie jetzt erstmal trocken legen und anschließend mit einem Pflaster schützen.














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