Montag, 1. Juni 2026

Centro do Camino

01.06.2026: Calzadilla de la Cueza - Sahagún (23,1 km)


Die heutige Etappe wird so wie gestern eher kurz und relativ flach. Doch bevor wir losziehen, haben wir noch einmal mit dem Wasser zu kämpfen. Einen morgendlichen Toilettengang unseres Zimmers verträgt die Spülung noch, einen zweiten weniger. Wir wissen jetzt auch, warum drei 1,5-Liter-Flaschen im Zimmer bereitstehen. Nicht zum trinken… Gegen 6:00 Uhr versuchen wir, das Haus zu verlassen. Erst mit etwas Gewalt lässt sich die etwas verzogene Eingangstür öffnen. 


Unsere erste Begleiterin in der Dämmerung ist wieder eine Straße, neben der wir auf „unserem“ Pilgerstreifen vorwärts kommen. Allerdings wechseln wir überwiegend auf die Straße, auf der uns nur ein Auto begegnet. Nach sechs Kilometern erreichen wir Ledigos. Hier werden wir auf einem Schild hingewiesen, dass wir den Mittelpunkt des Camino Frances erreicht hätten: ab Roncesvalles bis hier sind es 380 Kilometer, bis Santiago ebenfalls ich 380. Wir legen hier unsere Frühstückspause ein. 


Auf den folgenden Monolithen sieht die noch  zu absolvierende Strecke etwas anders aus, nämlich bis zu 391. Aber auch unser heutiges Etappenziel Sahagún beansprucht die geographische Mitte des Jakobsweges. Uns kann es eigentlich egal sein, wir wollen auf jeden Fall nach Santiago. Es folgt mit Terradillos de los Templarios das nächste Dorf, das vom Namen her lediglich besagt, das es zum früheren Besitz der Templer gehörte. Spuren des Ritterordens findet man nicht, wenngleich eine Herberge nach dem letzten Großmeister Jacques de Molay benannt ist. Hier schnuppern wir erstmals frische Landluft, es riecht nach Vieh, man sieht aber keins. An einem Rastplatz entdecken wir nur den Pilger mit Esel, und der riecht nicht.


In Moratinos gibt es eine Besonderheit. Was zunächst wie die Behausung von Hobbits aussieht, entpuppt sich als in den Lehm gegrabene Weinkeller. Kurz hinter dem Dorf entdecken wir vor uns Marion und Uwe, welch Freude. Wir gehen zusammen ein Stück bis San Nicolás del Real Camino, wo Jörg und ich eine weitere Pause einlegen. Ab hier wählen wir eine Variante des Weges, die etwas weiter von der Straße verläuft. Wir passieren die Ermita de la Virgen del Puente und sind nur wenig später in Sahagún. Gegen 11:40 Uhr stehen wir vor der Albergue Santa Cruz - deutlich zu früh. Wir dürfen unsere Rucksäcke schon einmal abstellen, sollen aber erst um halb eins wiederkommen. 


Wir nutzen die Zeit zu einem kleinen Snack, treffen auf dem Rückweg Marion und Uwe und werden dann eingelassen. Der Pfarrer des Klosters begrüßt alle anwesenden Gäste und erzählt über das Angebot der Herberge. Wir bekommen erneut ein Zimmer für uns. Duschen, Wäsche waschen und danach zu Viert etwas trinken und essen gehen. Später nehme ich am Pilgergottesdienst teil, der sowohl in Spanisch als auch in Englisch gehalten wird.   Im Anschluss erteilt der Pfarrer zusammen mit der Äbtissin des Benediktinerinnen-Klosters allen noch einen persönlichen Pilgersegen.