07.06.2026 Rabanal del Camino - Ponferrada (32,7 km)
Unsere Zimmernachbarn habe sich bereits früh aus dem Staub gemacht. Da wir heute etwas länger an der Matratze horchen dürfen, nutzen wir das auch aus und stehen erst gegen 6:00 Uhr auf. Eine Stunde später holt uns pünktlich Felix mit seinem Taxi ab und fährt uns zum Cruz de Fierro. Inzwischen ist auch die Sonne hinter uns aufgegangen und es sind schon etliche Pilger an dem magischen Platz eingetroffen. Kurz darauf ist mein Rucksack etwas leichter geworden, denn der Stein vom Alto de Perdón hat seinen Bestimmungsort erreicht. Noch ein paar Erinnerungsfotos und los geht es.
Eigentlich sollte das Cruz de Fierro mit 1504 Metern der höchste Punkt auf dem Camino Frances sein, doch in der Folge geht es ständig auf und ab. Irgendwann wird auf der Uhr 1511 Meter angezeigt. Wir vermeiden wiederum den Pilgerstreifen und nutzen die Straße, auf der so gut wie keine Autos fahren. Neben uns registrieren wir eine Heidelandschaft mit Eichen, die uns fast den ganzen Tag begleiten wird. Auf dem ersten Ortsschild ist Manjarín zu lesen. Hier hatte Tomás, „der letzte Tempelritter“ sein Refugio. Nicht besonders komfortabel, aber liebevoll und kultig. Leider ist das Anwesen jetzt verlassen, Tomás ist im Januar diesen Jahres verstorben. Gerne hätte ich diese Camino-Legende getroffen.
Nicht immer ist es sinnvoll, der Straße zu folgen, vor allem dann nicht, wenn sie zusätzliche Strecke machen würde. Dann bleibt uns nichts anderes übrig, als den Pilgerpfad zu nutzen. Nachteil: der Weg ist uneben, mit Schotter übersät und manchmal auch mit felsigem Untergrund versehen. Das verlangt Konzentration und Aufmerksamkeit. Wir sind froh, gegen 9:30 Uhr in El Acebo de San Miguel anzukommen. Dort soll es ein Frühstück geben. In der ersten Bar ist das Angebot nicht nach unserem Geschmack, also wechseln wir auf die andere Straßenseite. Hier werden wir gut bedient. Während wir im Innenraum sitzen, laufen in heimischer Tracht Männer und Frauen mit Musik durch den Ort. Heute ist ein Festtag und es wird an die Passanten Kuchen und Wein verteilt.
Es ist uns in den letzten Wochen tatsächlich aufgefallen, dass man für eine Pause nicht direkt die erste Bar ansteuern sollte. Damit haben wir bisher keine guten Erfahrungen gemacht. In der Regel war die zweite Wahl immer besser.
Jetzt haben allerdings noch ein paar hundert Höhenmeter Abstieg vor uns, in der Summe werden es rund 1000. Abwechslung von der schwierigen Strecke verschaffen uns die schönen Bergdörfer wie Acebo, Riego de Ambrós und am Ende Molisaneca. In allen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. In letzterem legen wir eine weitere Pause ein, bevor es auf einer etwas kürzeren Alternativroute an der Straße entlang nach Ponferrada geht. Unsere Herberge erreichen wir heute um 13:50 Uhr und bekommen unsere Betten in einer 7-Mann-Stube zugewiesen. Wir sind heute aufgrund des langen und holprigen Abstieges erschöpft und froh, angekommen zu sein. Das Nachmittagsprogramm ist einfach beschrieben: etwas trinken, etwas essen und die Templerburg von Ponferrada ansehen. Danach geht es ab ins Bett und fit werden für morgen. Ach ja, die Blase an meinem kleinen Zeh hat wohl das ständige Abwärtsgehen viel Druck von vorne bekommen und ist dadurch ein wenig zur Seite gewandert. Aber auch damit kann ich noch wandern. Mal sehen, ob morgen Nachmittag doch noch eine Operation fällig wird. Und noch etwas: im Zimmer ist auch Manuel aus Spanien. Seine Tochter wohnt in Trier. Zum Abschluss der dritten Woche eine Zahl: Wir haben jetzt genau 500 Kilometer hinter uns.















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