13.06.2026: Gonzar - O Coto (25,8 km)
Es ist einfach schön, morgens entspannt seine Siebensachen zu packen, Sonnencreme und Hirschtalg aufzutragen, ohne von anderen Menschen dabei gestört zu werden oder andere selbst zu stören. Kurzum: 6:00 Uhr Abmarsch, wie immer. Draußen ist es heute im Vergleich zu den letzten Tag richtig warm. Allerdings wechselt die gefühlte Temperatur des leichten Windes alle paar Schritte zwischen angenehm kühl und trockenem warm. Zudem geht es zu Beginn des Tages bergauf, rund 200 Höhenmeter sind zu überwinden. Mal laufen wir wieder entlang einer Straße, mal durch Dörfer und Wald. Auf einer Anhöhe hat man einen schönen Weitblick nach Osten, wo sich allmählich die Sonne an den Himmel heranpirscht.
Wir ziehen weiter, wollen heute der angekündigten Hitze entfliehen, ohne das Tempo extrem zu erhöhen. Im 7:45 Uhr ist es Zeit für das Frühstück, das wir in einer Bar in A Previsa einnehmen, das nur aus einem Anwesen und einer Bar besteht. Mehr als dreißig Minuten geben wir uns dafür nicht. Danach geht es ständig rauf und runter, und um uns herum sind so gut wie keine anderen Pilger zu sehen. Damit hätten wir jetzt nicht gerechnet, gerade auf den letzten 100 Kilometern nicht. Aber uns ist das so recht, wie es ist. In Palas de Rei hoffen wir auf eine geöffnete Bar, denn es steht weitere kurze Pause an. Die Igrexa San Tirso ist geöffnet und lädt zu Pilgerstempel und Kerze ein, nach einer Möglichkeit, etwas für den Flüssigkeitshaushalt zu tun, suchen wir vergebens. Dann ziehen wir eben weiter, hinter fünf Jugendlichen her.
Erst nach fast 21 Kilometern werden wir belohnt. Gegen 11:00 Uhr sind wir schon richtig weit gekommen und finden in San Xulián do Camiño eine schattige Sitzmöglichkeit und lassen uns zwei große Radler plus Kuchen schmecken. Wahrscheinlich war das genauso gewollt, denn kurz darauf erscheint Henrietha, die Südafrikanerin. Sie setzt sich zu uns und wir haben eine tolle Unterhaltung. Die Pause dauert somit deutlich länger wie gedacht, aber das spielt heute keine große Rolle. Wir haben Zeit, es ist noch ungefähr eine Stunde zu gehen und unsere Unterkunft öffnet erst um 14:30 Uhr.
Der Camino führt uns jetzt bei steigenden Temperaturen öfters durch Hohlwege auf- und abwärts, die aber zum Glück viel Schatten spenden. Gegen 13:00 Uhr sind wir in O Collo, viel zu früh. Nicht zu früh für ein Getränk und einen tropischen Salat. Kurz darauf gesellt sich noch Henrietha zu uns, zieht dann aber weiter. Sie möchte gerne am Montag in Santiago ankommen. Wir dürfen schon etwas früher in unser Zimmer, das eigentlich gar nicht unser Zimmer ist. Da das Haus heute nicht ausgebucht ist, bekommen wir anstatt dem wärmeren im Dachgeschoss eins im Erdgeschoss zum gleichen Preis.
Dann wird es Zeit, dass wir uns frisch machen. Die Waden oberhalb der Socken und Schuhe sind mit einer dunklen Staubschicht bedeckt. Man kann gar nicht unterscheiden, was ist Dreck und was ist Bräune. Erst unter der Dusche erkennt man den Unterschied, wenn der Dreck sich langsam von der Haut löst und davonschwimmt und eine angenehme Bräune zum Vorschein kommt.
Heute wird es kein Pilgermenü geben (mal davon abgesehen, dass gar keins angeboten wird). Wir beginnen heute mit dem Pilgerritual, das auf einem großen Transparent beworben wurde. Der erste Step ist das Verzehren einer Portion Pulpo in Melide, das wir allerdings erst morgen erreichen werden. Da aber O Coto zur Gemeinde Melide gehört, wäre diese Bedingung erfüllt.















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