Dienstag, 13. Juni 2017

Der Himmel fällt mir hoffentlich nicht auf den Kopf

Angeiras - Povoa de Varzim (19 km) 

Gegen 5:30 Uhr Uhr werde ich mit einem lauten Schlag geweckt. Es zieht eine lange andauernde, heftige Gewitterfront über den Campingplatz hinweg. Irgendwann in der Nacht gab es schon einmal ein kleines Gewitter, das jedoch schnell vorüberzog. Der auf das Dach meiner Behausung niederprasselnde Regen wurde immer stärker und die Blitze und Donnerschläge kamen immer näher. Das tiefe Grollen des Donners war sogar noch auf meiner Liege so deutlich zu spüren, als wenn ich direkt neben einer Bassbox bei lauter Musik stehen würde. Gerade dachte ich, das Gewitter Sei voübergezogen, da beginnt es wieder von vorn, wen auch nicht so heftig. Jetzt kann ich nur warten, bis das Wetter sich so beruhigt hat, dass ich mich auf den Weg machen kann. Positives am Morgen: meine Kamera ist wie durch ein Wunder wieder bereit, die Zusammenarbeit mit mir aufzunehmen.
Um 7:45 Uhr entschließe ich mich,  loszugehen. Doch schon bald merke ich, das war ein Fehler. Über dem Meer ziehen sich die Wolken zusammen und vereinzelte Blitze sind zu sehen. Auf einer Holzbrücke beginnt es leicht zu tröpfeln und ich ziehe meinen Schritt an. Kurz vor mir sehe ich ein Restaurant mit dazugehöriger Strandbar, die zudem einen überdachten Sitzbereich hat. Dorthin flüchte ich mich, bevor das Gewitter mit voller Wucht mit starkem Regen, Blitz und Donner über mich herfällt. Ich warte hier, bis ich meinen Weg fortsetzen kann. Nach einer halben Stunde bekomme ich Gesellschaft von zwei Amerikanerinnen aus Texas.  Ihr erster Satz: "What a nice oceanview."  Um 8:55 Uhr Uhr, also nach gut einer Stunde des Wartens, mache ich mich wieder auf den Weg.
Ich bin heute etwas flotter unterwegs, weil der Wetterbericht erneute Gewitter vorausgesagt hat.  An einer Kreuzung in Mindelo werde ich von einem netten Herrn angesprochen, der mir den richtigen Weg weisen möchte. Allerdings haben Jörg und ich uns  schon vor zwei Jahren ja diese Stelle schon einmal verlaufen. Ich verlasse mich doch lieber auf meine GPS-Daten und gehe nach einem kleinen Umweg wieder auf den von mir bevorzugten Weg durch ein Naturschutzgebiet. Kurz darauf lugt die Sonne aus den dichten Wolken hervor, als wolle sie mir sagen: "Du hast alles richtig gemacht, weiter so."
Plötzlich geht es nicht weiter. Vor mir fließt ein durch den Regen wild gewordener Bach,  über dem wahrscheinlich früher einmal eine Brücke führte, die jetzt aber fehlt.  Also kehre ich um bis zur letzten Kreuzung, wo ich auf meiner Karte eine Alternative finde, um auf den richtigen Weg zurückzukehren. Gerade überquere ich eine andere Brücke über den Bach, da fallen erste Regentropfen aus dem nicht besonders vertrauensvoll ausschauenden Himmel. Ich entscheide rasch, den Regenponcho überzuziehen, doch so richtig klappt das zunächst nicht. Kurz darauf scheint wieder die Sonne und ich kehre in einer Bar ein, wo wir schon vor zwei Jahren waren. Obwohl ich eigentlich keinen Kaffee trinke, ist jetzt der erste Café con leche fällig. Als ich die Bar um 11:15 Uhr verlasse, traue ich meinen Augen kaum strahlender Sonnenschein, blauer Himmel,  weiße Wölkchen - also ideales Pilgerwetter. Es ist von dem ungemütlichen Vormittagswetter nichts mehr zu erahnen.
Neben den gelben Pfeilen ist der Caminho da Costa inzwischen mit wunderschönen Holzstelen und der gelben Muschel auf blauem Grund gekennzeichnet.
In Vila do Conde halte ich mich nicht lange auf und hole mir in der Tour-Info nur den nächsten Stempel ab. Von dort laufe ich weiter zum Meer und ab einem kleinen Kastell auf einer befestigten Promenade in Richtung Povoa de Varzim. Kurz vor dem Ziel Laufe ich auf Benjamin, dem Pfälzer auf und begleite ihn zur Herberge. Wir treffen um 13:15 Uhr dort ein und sind die ersten. Nach einer Weile kommen noch Arba und Toshana aus Kapstadt ein. Wir warten, dass die Rezeption um 14:00 Uhr öffnet. Arba versucht per Telefon jemanden zu erreichen, ohne Erfolg. Ich versuche es dann um 15:15 Uhr unter einer anderen Nummer und mir wir versprochen, dass gleich jemand kommt. Und so kommt es auch. Zwanzig Minuten später beziehen wir unser Zimmer. Im Anschluß gehen wir etwas einkaufen und essen. Zurück in der Herberge treffen wir Kelly aus Kapstadt, Paul aus Litauen und Pablo aus Argentinien. Es ist eine Freude, sich mit jungen Leuten aus der ganzen Welt zu unterhalten. Bis halb acht sind Ben und ich alleine in unserem Zimmer, dann treffen noch zwei Polinnen ein und bekommen die verbliebenen zwei Betten der Herberge bei uns. Ben und ich sprechen intensiv über seine gesundheitlichen Probleme. Ich ziehe meinen Hut, wie offen er damit umgeht und wie er sie stemmt. 







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