Montag, 8. Juni 2026

Ich sehe Schirme…

08.06.2026: Ponferrada - Villafranca del Bierzo (25,1 km)


Der heutige Tag sollte nach der anstrengenden Tour von gestern etwas entspannter werden, zumindest, was das Streckenprofil angeht. In unserem Zimmer herrscht zur von gewünschten Zeit um 5:00 Uhr Aufbruchstimmung. Wir hatten zwei Pilger bei uns, die mit einer Schlafmaske im Bett lagen. Beide ließen dennoch gewaltige Schnarchgeräusche von sich. Kein Wunder, dass mein Schlafindex nur ausreichend lautete. Jörg macht sich aus den restlichen Haferflocken und dem Joghurtdrink von gestern Abend ein erstes Frühstück und wir unterhalten uns noch ein wenig mit einem Pilger aus Köln, den wir schon öfter gesehen haben. Um Punkt 6:00 Uhr wird das eiserne Rollo vor der Eingangstüre hochgezogen und wir können in den Tag starten.


Wie immer in einer größeren Stadt (Ponferrada inklusive der umliegenden Dörfer und Weiler zählt rund 65.000 Einwohner) dauert es etwas, bis wir dort raus sind. Wir laufen auf einer flachen Straße, um uns herum sind kleine Pilgergruppen und ein paar Einzelpersonen ebenso unterwegs. In Fuentes Nuevas legen wir nach circa 8 Kilometern eine erste Pause ein. Es ist 7:35 Uhr und genau die richtige Zeit für ein Frühstück. Der weitere Weg führt uns danach überwiegend auf Wald- und Feldwegen durch die immer mehr werdenden Weinberge. Es tut gut, endlich einmal von der Nähe der Straßen weg zu kommen und nur durch die Natur zu wandern.


Eine weitere Unterbrechung legen wir gegen 10:00 Uhr in Cacabelos ein. Da unsere Unterkunft in Villafranco del Bierzo uns erst ab 14 Uhr empfangen will, bleiben wir hier eine ganze Stunde. Am Nebentisch sitzt unter anderem DJ Yann, der es heute schafft, uns seinen eigenen Pilgerstempel aufzudrücken. Er läuft den Camino mit Zehensocken und „Badelatschen“ mit ordentlicher Dämpfung. Das scheint auch zu funktionieren.


Der bisherige Abschnitt heute war easy going, doch nun geht es beständig leicht aufwärts. Hinter Pieros verlassen wir uns blind auf die gelben Pfeile, anstatt an der Straße zu bleiben. Die Buen Camino-App hat dazu extra einen Hinweis im Angebot. Die Alternative durch die Weinberge kostet uns einen zusätzlichen Kilometer, aber ist attraktiver als entlang der Straße. Letztendlich laufen wir an der Iglesia Santiago aus dem 12. Jahrhundert nach Villafranca del Bierzo ein. Durch eine sehr schmale Gasse, durch die sich neben Pilgern auch noch Autos zwängen, ist am deren Ende freier Blick auf Sonnenschirme mit Werbung für Estrella Galicia. Immer wenn wir solche Schirme sehen, kommt automatisch die Begierde auf eine Erfrischung auf. Auf der Plaza Mayor finden wir kurz nach 13:00 Uhr ein Plätzchen zum Verweilen ein. Fast alle Plätze sind belegt- es sind überwiegend Menschen, denen wir schon begegnet sind. Nach einem Pilgergedeck (Bier und Cola) ziehen wir von dannen, um unser Zimmer zu beziehen. Beim Check In fällt auf, dass ich zwar ein Zimmer mit zwei Betten gebucht hatte, aber wohl nur für eine Person. Das lösen wir aber durch die Nachzahlung in Höhe von acht Euro. 


Heute Nacht haben wir wieder einmal vier Wände für uns, keine anderen Pilger. Das ist vor allem für den morgigen Tag wichtig, da wir früh losziehen wollen. Es erwartet uns der anstrengendste Aufstieg auf dem gesamten Camino. Auf das Waschen verzichten wir heute, nur unsere Socken und Unterwäsche landet im Waschbecken. Schon nach kurzer Zeit schwimmen die Socken in einer braunen Brühe. Sie haben unterwegs trotz Verbot wieder Staub und Sand bis zum Abwinken eingesammelt. Auch ein zweites und drittes Waschwasser sieht nicht großartig anders aus. Erst beim Ausspülen mit klarem Wasser ist kaum noch etwas von Schmutz in den Socken gefangen. 













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