Samstag, 17. Juni 2017

Asphalt und Hitze - keine gute Kombination

A Guarda - A Ramasolla (35,8 km)

Jetzt sind wir in Spanien, in Galizien. Nach den schönen Abend verlief die Nacht einigermaßen gut, obwohl es wieder ein kleines Schnarchkonzert gegeben hat. Wenn nicht in unserem Schlafsaal leichte Unruhe auf gekommen wäre, hätte ich wahrscheinlich heute verschlafen. So stehe ich dann doch letztendlich um 6:45 Uhr auf und mache mich abmarschbereit. Eine halbe Stunde später habe ich mein Bündel auf dem Rücken gepackt und ziehe los. Von meiner gestrigen Wäsche sind Socken und Unterhemd immer noch feucht geblieben, sodass ich sie an meinem Rucksack fest mache, dort können Sie dann im Laufe des Tages in der Sonne trocknen. Auch heute wird es eine etwas längere Etappe geben. Ben und die Mädels haben sich bereits vor einer guten Viertelstunde auf den Weg gemacht. Die Route führt mich zunächst hinunter ans Meer und dann über einen schmalen Pfad über felsiges Geläuf. Ich glaube, so nah am Wasser bin ich bisher noch nicht entlang gelaufen. Es ist momentan recht erfrischend kühl, doch die aufgehende Sonne verspricht wieder einiges an Temperatur.
Nach zweieinhalb Kilometern zwingt mich ein erster fieser Anstieg zum Verlassen der unmittelbaren Küste. Nach einem erneuten kurzen Abstecher zurück, werde ich aber schon bald an eine zu dieser Uhrzeit zum Glück noch nicht stark befahrenen Landstraße geführt, an der ich sehr lange auf dem eingezeichneten Fahrradweg bleibe. Hin und wieder verläuft der Radweg unter- oder oberhalb der Straße und bietet dadurch wenigstens etwas Abwechskung. 100 Meter vor mir sehe ich bereits Ben, der in einer Bar in Portecelo seine erste Pause einlegen wird. In dem Örtchen laufe ich auf Ben auf, doch wir finden nicht die in seinem Führer angegebene Bar. Daher bleibt er an einer Sitzbank und macht seine erste Pause, während ich mich auf den weiteren Weg begebe. Ich bin jetzt gut 90 Minuten unterwegs und die Temperatur ist immer noch sehr angenehm. Glücklicherweise befindet sich rechter Hand ein langgezogener Bergrücken, der die Sonne bis jetzt abhalten kann. Nur zwei Minuten später ist die Sonne da, und ich spüre, wie die Natur auf einmal zu leben beginnt. Entlang des Weges wird gerade das Morgenkonzert der Vogelschar aufgeführt, und das Rauschen des Ozeans bildet den passenden Rahmen dazu.
Nach einem kurzen Sonnenintermezzo schützen mich wieder die Höhenzüge vor den wärmenden Strahlen.
Dann hat es die Sonne dann doch fast geschafft. Zugleich verlasse ich mal wieder die Landstraße und laufe etwas nahe dem Wasser entlang. Ein freundlicher Fahrradfahrer gibt mir den Hinweis, dass es nicht mehr weit bis zu einer Bar sei. Dort kehre ich nur zu einer wirklich winzigen Pause ein, da ist nichts anderes wie Getränke gibt und der Wirt nicht den Anschein macht, mir auch etwas zu essen machen zu wollen. Hinter Oia geht es weiter auf dem Fahrradweg,  der sich nun zwischen Weideland, Ackerflächen und vereinzelt stehenden Häusern, die mit allesamt mit Wällen aus großen Steinblöcken eingerahmt sind,  weiter. Seit geraumer Zeit trägt mir die warme Luft Musik an die Ohren, ich kann jedoch die Quelle nicht genau orten. Erst in einer der folgenden Ansiedlungen kann ich konkret sagen: von hier kommt die Musik. Im Ortszentrum fand wohl eine Festivität statt, die anscheinend bereits vorbei ist. In O Porto mache ich in einer Bar nebenan der privaten Herberge fast eine Stunde Mittagspause und bestelle mir dort ein Boccadillo und trinke zwei leckere Estrellas. Um 12:10 Uhr geht es dann weiter.
Kurz vor As Marinas darf ich endlich die Straße wieder verlassen. Dafür geht es jetzt einen Berg hinauf, damit umgehe ich den Monte de Baredo in Richtung Baiona.  Das Thermometer ist inzwischen auf 31 Grad gestiegen. Die nächsten Kilometer variieren ständig die Höhe. Irgendwie​ gefällt das meinem linken Fuß nicht besonders, denn dort entwickelt sich ein leichter Druck. Dann erreicht mich die Nachricht​ von Ben, dass er mit dem Auto unterwegs zur Unterkunft sei und Zimmer, auch für Lija und Monika sowie Maja und Sam, reserviert hätte. Gegen 16:15 Uhr treffe ich in der Herberge ein. Hier treffe ich Leute aus Kanada, Australien, Hamburg und Freyung. Zufällig betrachte ich das linke Sprunggelenk und stelle an der Außenseite eine leichte Schwellung fest. Ergebnis: morgen werde ich nur eine kurze Etappe nach Vigo laufen, und durch häufigere Pausen den Fuss schonen. Jetzt müssen wir nur noch auf die Mädels warten. Um 19:45 Uhr trudeln die beiden erschöpft ein. Unser Abendessen nehmen wir übrigens mit Eingekauftem in der Herberge ein. Der Tag wird wohl bald enden. 






Freitag, 16. Juni 2017

Erst Portugal, dann Spanien und am Abend Reggae aus Babados

Viana do Castelo - A Guarda (37,1 km) 

Wir haben gestern Abend noch ausgemacht, dass wir versuchen, uns heute in A Guarda in der Pilgerherberge zu treffen. Ich bin gespannt, ob wir vier tatsächlich alle dort heil und gesund ankommen, denn die Strecke beträgt heute circa 34 km. Ben ist bereits um 6:30 Uhr losmarschiert, ich verlasse die Herberge eine Viertelstunde später. Lija und Monika lassen sich noch etwas Zeit. Auf Facebook wurde mir gestern ein Abschnitt entlang des Meeres empfohlen. Ich werde diesen Tipp heute zumindest in Teilen befolgen. Ich bin heute richtig gut ausgeschlafen, denn wir hatten keinen lauten Schnarcher in unserem Schlafraum, der immerhin mit vierzehn Schläfern belegt war.
Ich finde schnell einen guten Gehrhythmus. Bereits nach einer halben Stunde erreiche ich das Meer und wende mich nach Norden, wo ich jetzt in unmittelbarer Nähe des Ozeans und des felsigen Ufers entlang laufen werde. Im Gegensatz zu gestern hat sich die Landschaft wieder krass verändert. Ich passiere gerade zwei kleinere Tümpel, aus denen zahlreiche Frösche quaken und zu meiner Linken befindet sich eine riesengroße Baustelle. Dahinter kann ich bereits die Brandung des Meeres erkennen, auch das Rauschen der Wellen habe ich gestern ein klein wenig vermisst. Schließlich zwege ich an einer S-Kurve von der Straße ab und begebe mich auf einen kleinen Feldweg in Richtung Felsenufer.
Die Wellen brechen sich mit lautem Getöse an aus dem Wasser hervorragenden Felsgruppierungen.  Zudem steigt mir der Duft des Meeres wieder in die Nase. Ich bewege mich auf einer schön angelegten Promenade auf eins der hier regelmäßig in der Nähe von Orten erbauten Kastelle zu. Ab der Ruine beginnt nun Weg, der mich über Holzplanken, befestigte Wege, und auch und Kopfsteinpflaster führen wird.
Nach ca 9,5 km verlasse ich die Atlantikküste und wende mich wieder dem Camino Portugues da Costa zu. Dieser Abschnitt war zwar wunderschön, aber ich möchte nicht den ganzen Tag nur am Meer entlang laufen, sondern auch noch ein klein wenig Abwechslung um mich herum genießen. Zudem befürchte ich, dass ich entlang des Ozeans keine Möglichkeit haben werde, in einer Bar einzukehren. Und darauf muss ich gar nicht lange warten, denn in Carreco befindet sich bereits eine geöffnete Bar, wo ich zu meiner Freude auch Ben wieder treffe. Bei ihm läuft es heute ganz gut und er ist frohen Mutes, unser auserkorenes Ziel A Guarda heute Abend zu erreichen. Nach einer halbstündigen Pause setze ich meine Pilgerwanderung um 9:15 Uhr fort.  Nachdem ich das Örtchen durchlaufen habe, gelange ich wieder in ein schattiges Waldstück mit Eukalyptus und Kiefern.
Dieser hügelige und zum Teil mit großem Steinbrocken versehene Weg ist zwar wunderschön, aber wenn ich mir vorstelle, dass hier Anne-Chantal, die Gründerin der Facebook-Seite Camino Portugues, hier mit dem Rollstuhl gepilgert ist, wird mir ganz anders. Ich ziehe meinen Pilgerhut und zolle ihr meinen vollsten Respekt zu. Für eine solche Leistung, gerade mit ihren gesundheitlichen Einschränkungen, muss man schon eine unglaubliche Energie aufbringen und Geduld haben. Und ich glaube auch, das entscheidende, wie sie immer sagt: Sonne im Herzen. Da läuft es mir eiskalt den Rücken herunter.
In einem idyllischen Tälchen liegt ein ehemalige Kloster direkt am Rio Afife.  Dort bietet sich eine traumhafte Kulisse für einen Fotostop. Nur ein paae Augenschlage später treffe ich Ben in einer Bar und wir halten einen netten Pausenplausch. Das nächste Mal werden wir uns dann wohl in Caminha an der Fähre treffen.
Hinter Ancora, nach knapp drei Kilometern, gelange ich wieder an das Meer und gehe auf einer Strandpromenade weiter nach Norden an einem Kastell vorbei. Die Route führt nun aus der Stadt heraus und mündet an einer kleinen Kapelle am felsigen Strand wieder auf einen befestigten Weg, der sich bis Caminha hinzieht. In der Ferne ist die Mündung des Rio Mino sowie das Örtchen O Moino zu erkennen. Darüber erhebt sich der Monte de Santa Teega, der zur Zeit noch in einer  Dunstwolke umgeben scheint.
Am Strand von Moledo verlasse ich diesen durch das Städtchen und gelange über eine nicht stark frequentierte, aber unendlich lange geradeaus führende Landstraße nach Caminha. Schließlich erreiche ich an der Landungsbrücke der Fähre das Ende von Portugal, wo ich eine gute Stunde warte. Dann kommen Lija, Monika und Ben um die Ecke und wir nehmen die Fähre um 15:00 Uhr.
In Spanien gelandet, müssen wir vier noch einen kleinen Berg überwinden, bis wir in der Herberge von Hospitalero Antonio aufgenommen werden. Das Abendessen nehmen wir in einem Restaurant am Hafen ein. Dabei erhalten wir noch Gesellschaft von Marja. Es wird ein wunderschöne Abend, der mit einem Reggae-Ständchen von David aus Barbados, einem Video und einen Foto endet. 








Donnerstag, 15. Juni 2017

It's a beautiful day, don't let it get away (U2)

Marinhas - Viana do Castelo (21,3 km)

Das war eine Horror Nacht. Nach zwei Stunden gutem Schlaf ging gegen Mitternacht die Katastrophe los.  Unmittelbar neben mir befand sich das Epizentrum einer überdimensionalen Schnarchwelt. Es war kaum auszuhalten.  Eine gute Stunde lang versuchte ich wieder einzuschlafen, was mir aber gänzlich misslang. Also entwickelte ich einen Plan. Ich holte mir aus einem Schrank vier Decken und beteitete mir damit im Wohnzimmer ein Nachtlager auf dem Boden. Das war eine sehr gute Entscheidung, denn ich konnte bis 5:30 Uhr noch einigermaßen gut schlafen.
Bereits am gestrigen Nachmittag hatte ich festgestellt, dass ich mir ein klein wenig Haut unter dem rechten großen Zeh abgerissen habe. Um schlimmerem vorzubeugen klebe ich ein Blasenpflaster darüber. Die Uhr zeigt 7:30 Uhr, als ich die Herberge verlasse. Ich habe mich kurzerhand dazu entschieden, die geplante Strecke etwas zu verkürzen und mit Ben, Lija und Monika heute Abend in der Herberge in Viana do Castelo zu übernachten. Nach wenigen Metern laufe ich an der örtlichen Kirche vorbei, die wegen Fronleichnam bereits geöffnet ist,  und werfe einen Blick hinein. Nach einem kurzen Gebet mache ich mich auf den Weg.
Und wieder werde ich zu Beginn des Tages Reise überrascht: eine ältere Dame über reicht mir freudestrahlend zwei kleine Pfirsiche und wünscht mir eine gute Reise. Wieder eine solche Begegnung, die in Erinnerung bleiben wird. Nach wenigen Schritten durch Marinhas hole ich auch das Epizentrum das Schnarchens ein, nämlich Antonio und Ina, die übrigens hervorragend Deutsch spricht, weil ihr Vater Deutscher war. Eine gute Viertelstunde lang begeite ich die beiden, die scgin gemeinsan den Olavs-Weg in Norwegen gelaufen sind. Dann lasse ich die beiden wieder alleine und ziehe von Dannen. Aktuell ist es noch ein klein wenig neblig.  Ich denke, es dauert aber nicht mehr lange, bis sich der Dunst verzogen hat und der wolkenfreie, sonnige Himmel zum Vorschein kommt.
Gegen 8:15 Uhr erreiche ich in Belinho  eine geöffnete Bar, wo sich schon einige Pilger zum Kaffee niedergelassen haben. Ich bestelle mir bei dem freundlichen Wirt einen Cafe con leche und ein Brötchen mit Schinken und Käse, das frisch zubereitet wird. Als Zugabe erhalte ich noch den ersten Pilgerstempel des heutigen Tages.  Ich darf mich zu zwei jungen Frauen an den Tisch setzen, die sich als Linny und Tina aus der Frankfurter Ecke vorstellen. Die beiden haben die Nacht in der neuen Herberge in Esposende verbracht und waren begeistert. Eine halbe Stunde später mache ich mich wieder auf den Weg und verabschiede mich von den beiden. Wir werden uns wahrscheinlich heute Abend in Viana do Castelo wiedersehen.
Inzwischen ist den Nebelvorhang auch verschwunden und die Sonne kann sich frei entfalten. Und wieder passiert etwas Unvorhergesehenes. Zum ersten Mal habe ich auf dem Caminho in freier Landschaft Netz auf meinem Handy und werde mit einer Nachricht meiner Frau überrascht.
Und diese Überraschungen nehmen kein Ende. Ab einer wunderschönen Stele, beginnt circa zwanzig Meter oberhalb des Rio Neiva ein schmales Tal auf einem Trampelpfad. Das ist Natur pur. Und zugleich ein Genuss für alle Sinne. Es riecht nach Eukalyptus, rechts rauscht der Rio und unsichtbare Vögel tragen dir ein Konzert vor. Dies ist bisher einer der schönsten Abschnitte des Caminhos. Es geht leicht abwärts, und ich muss bei jedem Schritt aufpassen, dass ich auf den felsigen Untergrund keinen falschen Schritt mache. Schließlich erreiche ich an einem kleinen Haus den Rio und überquere diesen über eine schmale Steinbrücke. Dort treffe ich auch meine ersten Wegbegleiter des heutigen Tages und zudem eine finnische Familie. Danach gibt es einen kleinen Anstieg, an dem ich am Wegesrand Ben treffe, der eine Pause macht. Nach einem Smalltalk mache ich mich wieder auf den Weg, wir werden uns später in der Herberge treffen.
Nach den drei ersten flachen Etappen geht es heute zum ersten Mal auch etwas aufwärts. Das ist zunächst ungewohnt und strengt unter der weiter aufziehenden Sonne auch ein klein wenig an. Der Aufstieg in Castelo da Neiva zur Santiago-Kirche mit einem wunderbaren Ausblick. An der Kirche werden die Pilger von einer Pfadfindergruppe in Empfang genommen. Neben einem Pilgerstempel werden wir mit Obst, Brötchen und Getränken versorgt. Die einzige Gegenleistung: ein Lächeln, das wir gerne geben. Der Kirchplatz wird zu einem Sammelbecken von Pilgern. Neben Ben sind auch die Finnen sowie Lija und Monika dort und eine Belgierin.
Anschließend geht es weiter durch kühlen Wald und ich bin immer noch ganz ergriffen von der Herzlichkeit, die uns eben entgegengebracht worden ist. Hier werden wildfremde Menschen mit offenen Armen aufgenommen und versorgt. Da kullern dem Pilger schon am vierten Tag die ersten Tränen aus den Augen vor Rührung. Wie großzügig ist doch Gottes Entschädigung für das unbedeutende Schnarchen in der Nacht, geht es mir durch den Kopf.
Nachdem ich ein ehemaliges Kloster passiert habe, geht es auf wenig befahrenen Landstraßen durch verschlafene Dörfer weiter. In Vila Nova de Anha kann man sich in der Pfarrkirche einen Stempel abholen und sich in das ausliegende Pilgerbuch eintragen. In circa einer halben Stunde sollte ich mein heutiges Tagesziel erreichen. An einer steilen Aufwärtspassage überhole ich ein älteres deutsches Ehepaar, beide tragen die weltbesten Wandersocken von wrightsocks mit der Jakobsmuschel. Die beiden mühen sich hier sehr ab.  Doch schon bald geht es genauso steil abwärts mit schattigen Abschnitten. Von oben kann ich bereits einen Blick auf Viana do Castelo und den Rio Lima erhaschen. Es geht jetzt nur noch abwärts und dann über die Lima-Brücke.
Nachdem wir den ganzen Tag nichts vom Meer gesehen haben, riecht man die See hier förmlich. Denn Viana do Castelo liegt unmittelbar an der Mündung des Rio Lima und hat auch einen eigenen Hafen.
Um 12:30 Uhr stehe ich vor der Albergue São João Da Cruz dos Caminhos, die vom Karmeliterorden zur Verfügung gestellt wird, aber erst um 15:00 Uhr öffnet. Ich vertreibe mir die Wartezeit in einer Bar in einem Park mit einem kleinen Snack. Kurz vor der Öffnungszeit der Herberge begebe ich mich zur Rezeption und werde von Lija, Monika, Ben, Linny und Tina erwartet. Die heutige Besetzung wird komplettiert mit Paul, den beiden Russinen, der Belgierin, weiteren Polen, der Koreanerin Chai, die in Berlin lebt sowie Marja aus den Niederlanden, die Sam, einen Studenten von den Fidji-Inseln unterstützt, der einen behinderten Landsmann mittels Anhänger zieht. Dazu sind noch Gäste aus Portugal und Spanien da.
Die letzte Überraschung des Tages kam gegen Abend: der Autor des Pilgerführers für Caminho Portugues,Raimund Joos,schaute auf einer Recherchetour in unserer Herberge rein, und später trafen wir ihn sogar beim Abendessen zu einem netten Plausch.







Mittwoch, 14. Juni 2017

High noon und das Tagwerk ist vollbracht

Povoa de Varzim - Marinhas (24,6 km)

Heute Nacht habe ich etwas unruhig geschlafen, daher war es nicht verwunderlich, dass ich schon relativ früh wach war. Es hat zwar doch noch bis um 6:30 Uhr gedauert, bis ich meine gestern Abend vorbereiteten Sachen zusammengepackt habe, um mich dann in der Küche für den Abmarsch fertig zu machen. Mitten in den Vorbereitungen kommt zunächst Ben, danach noch Pablo und Paul für ein Frühstück dazu. Es ist mir fast peinlich, aber ich glaube, ich bin dann um 7 Uhr der erste, der die Herberge verlässt. Ich begebe mich direkt an die langgezogene Strandpromenade und laufe parallel zum Meer in Richtung Norden. Im Gegensatz zu gestern hat sich das Wetter komplett geändert, am strahlend blauen Himmel ist kein Wölkchen zu sehen und im Osten geht die Sonne auf, während im Westen noch der Mond am Horizont zu sehen ist. Mir begegnen erneut sehr viele Portugiesen, die irgend einem Frühsport nachgehen. Pilger sind noch keine unterwegs.
Ich gehe heute sehr beschwingt und ich spüre, dass ich jetzt richtig hier angekommen bin. Es ist mir ein großes Vergnügen, auf den kilometerlange Holzstegen parallel zum Meer zu laufen, dem Rauschen der Wellen zu lauschen und von vorwitzigen Möwen begleitet zu werden. Es ist ein Genuss, die frische morgendliche Seeluft einzuatmen, während mir eine frische Brise entgegen bläst und die auf ansteigende Temperatur zumindest deutlich angenehmer werden lässt.
Nach einer guten Stunde Gehzeit treffe ich auf die noch geschlossene Beachbar Caminho. Aber gerade in dem Moment trifft die Betreiberin ein und fragt mich, ob ich einen Stempel haben möchtet. Dieses Angebot nehme ich natürlich gerne an und wir kommen ein wenig ins Gespräch. Ich habe zudem die Ehre, eine Muschel zu signieren, die dann an einem kleinen Gestell zu bereits vorhanden Muscheln aufgehängt wird. Saozita erzählt mir von ihren bisherigen Caminos und macht auch noch ein Foto von mir, das sie auf Facebook einstellt. Das sind die spontanen Ereignisse, für die es sich lohnt, auf den Jakobsweg zu gehen - ungezwungene Begegnungen mit freundlichen und zuvorkommenden Menschen. Daher ist für mich der Jakobsweg auch ein Weg des Friedens, wo sichvunterschiedlichste Menschen aus aller Herren Länder mit den unterschiedlichsten Sprachen gut verstehen und friedvoll miteinander umgehen.
Soweit das Auge reicht, kann ich den Weg, bestehend aus Holzplanken, erkennen. Links befindet sich der Ozean und rechts laufe ich an einem Dorf vorbei. An einem Fußballstadion endet der schöne Weg und ich wende mich ins Landesinnere zu. Hier muss ich jetzt ein längeres Stück auf einer Kopfsteinpflasterstraße laufen. Ich passiere großflächige Gemüseanbauflächen, die oftmals von Gewächshäusern überdacht sind. Aktuell scheint die Zwiebelernte in vollem Gange zu sein. Nach gut zwei Stunden lege ich an der Straße eine kurze Pause ein, denn ich spüre ein leichtes Zwicken an meinem rechten Fuß. Zum Glück stellt sich heraus, dass ich mir keine Blase gelaufen habe, aber zu Sicherheit klebe ich ein Stückchen Tape auf die ansprechende Stelle. Ich nutze die kleine Pause auch, um mich der Hosenbeine zu entledigen und um von dem gestern gekauften Baguette ein Stückchen zu verzehren.
In der Nähe des Campingplatz Orbitur sorgt ein Kiefern- und Eukalyptuswald für eine willkommene, kühle  Abwechslung. In Apulia treffe ich an einer Infotafel Kelly aus Kapstadt und hole mir in der überraschenderweise geöffneten Pfarrkirche einen Stempel. Es dauert nur ein paar Minuten dann habe ich Kelly wieder eingeholt. Leider muss ich in dem kurzen Gespräch erfahren, dass ich heute Morgen doch nicht als erster Pilger die Herberge verlassen habe. Kelly ist bereits um 6 Uhr losmarschiert, weil sie langsam geht wegen ein paar Problemen mit ihrem Sprunggelenk. Eigentlich möchte sie auch bis Marinhas laufen, aber wenn es nicht geht, wird sie sich in Esposende eine Unterkunft suchen. Ich verabschiede mich von ihr und wünsche ihr einen Bom Caminho.
Nach anderthalb Stunden auf Kopfsteinpflaster unterbricht ein kühles Waldstück den Verlauf, das ist sehr angenehm. Bald erreiche ich Fao, wo sich die Gemeinde eine schöne Stempelstelle einfallen ließ. Man hat den Pilgerstempel in einer roten Telefonzelle platziert, jedoch hat auch hier der Vandalismus zugeschlagen. Irgendwer hat die Stempelpatte dermaßen zerstört, sodass man keinen vernünftigen Stempelabdruck hinbekommt. Nachdem ich Fao  durchlaufen habe, überquere ich den Rio Cavado und kann von der Stahlbrücke aus auch wieder ein wenig das Meer erahnen,  auf das ich jetzt wieder parallel zum Fluss an einer Straße entlang zulaufe. Schließlich erreiche ich Esposende, wo sich am Ortseingang eine schöne Stele und eine Info Tafel befinden. Von dort aus  danach werde ich durch den Ortskern geführt. In einer der offenen Kirchen liegt noch einmal ein Stempel, den ich mir freudig in mein Credencial drücke.  Am Ende der Stadt Ausgang werde ich wieder an den Fluss geleitet und erreiche die Mündung in den Atlantik. Wie so oft an der Küste, gibt es auch hier ein kleines Kastell. Von dort sind es jetzt nur noch zwei Kilometer bis zur Pilgerherberge in Marinhas, die vom Portugiesischen Roten Kreuz auf Spendenbasis betrieben wird und wo ich als erster gegen 12:30 Uhr ankomme. Wenig später trudeln zwei russische Pilgerinnen ein. Gemeinsam warten wir auf den Hospitalero, der kurz nach 14 Uhr erscheint. Im Laufe des Nachmittags trudeln zu meiner Freude Kelly und Ben ein, die sich unterwegs getroffen haben. Ansonsten nimmt die Internationalität zu: Ina aus Costa Rica, Antonio aus Italien, Korea und auch unsere polnischen Zimmernachbarn Lija und Monika haben es bis Marinhas geschafft. Heute Abend wollen wir gemeinsam etwas essen gehen.







Dienstag, 13. Juni 2017

Der Himmel fällt mir hoffentlich nicht auf den Kopf

Angeiras - Povoa de Varzim (19 km) 

Gegen 5:30 Uhr Uhr werde ich mit einem lauten Schlag geweckt. Es zieht eine lange andauernde, heftige Gewitterfront über den Campingplatz hinweg. Irgendwann in der Nacht gab es schon einmal ein kleines Gewitter, das jedoch schnell vorüberzog. Der auf das Dach meiner Behausung niederprasselnde Regen wurde immer stärker und die Blitze und Donnerschläge kamen immer näher. Das tiefe Grollen des Donners war sogar noch auf meiner Liege so deutlich zu spüren, als wenn ich direkt neben einer Bassbox bei lauter Musik stehen würde. Gerade dachte ich, das Gewitter Sei voübergezogen, da beginnt es wieder von vorn, wen auch nicht so heftig. Jetzt kann ich nur warten, bis das Wetter sich so beruhigt hat, dass ich mich auf den Weg machen kann. Positives am Morgen: meine Kamera ist wie durch ein Wunder wieder bereit, die Zusammenarbeit mit mir aufzunehmen.
Um 7:45 Uhr entschließe ich mich,  loszugehen. Doch schon bald merke ich, das war ein Fehler. Über dem Meer ziehen sich die Wolken zusammen und vereinzelte Blitze sind zu sehen. Auf einer Holzbrücke beginnt es leicht zu tröpfeln und ich ziehe meinen Schritt an. Kurz vor mir sehe ich ein Restaurant mit dazugehöriger Strandbar, die zudem einen überdachten Sitzbereich hat. Dorthin flüchte ich mich, bevor das Gewitter mit voller Wucht mit starkem Regen, Blitz und Donner über mich herfällt. Ich warte hier, bis ich meinen Weg fortsetzen kann. Nach einer halben Stunde bekomme ich Gesellschaft von zwei Amerikanerinnen aus Texas.  Ihr erster Satz: "What a nice oceanview."  Um 8:55 Uhr Uhr, also nach gut einer Stunde des Wartens, mache ich mich wieder auf den Weg.
Ich bin heute etwas flotter unterwegs, weil der Wetterbericht erneute Gewitter vorausgesagt hat.  An einer Kreuzung in Mindelo werde ich von einem netten Herrn angesprochen, der mir den richtigen Weg weisen möchte. Allerdings haben Jörg und ich uns  schon vor zwei Jahren ja diese Stelle schon einmal verlaufen. Ich verlasse mich doch lieber auf meine GPS-Daten und gehe nach einem kleinen Umweg wieder auf den von mir bevorzugten Weg durch ein Naturschutzgebiet. Kurz darauf lugt die Sonne aus den dichten Wolken hervor, als wolle sie mir sagen: "Du hast alles richtig gemacht, weiter so."
Plötzlich geht es nicht weiter. Vor mir fließt ein durch den Regen wild gewordener Bach,  über dem wahrscheinlich früher einmal eine Brücke führte, die jetzt aber fehlt.  Also kehre ich um bis zur letzten Kreuzung, wo ich auf meiner Karte eine Alternative finde, um auf den richtigen Weg zurückzukehren. Gerade überquere ich eine andere Brücke über den Bach, da fallen erste Regentropfen aus dem nicht besonders vertrauensvoll ausschauenden Himmel. Ich entscheide rasch, den Regenponcho überzuziehen, doch so richtig klappt das zunächst nicht. Kurz darauf scheint wieder die Sonne und ich kehre in einer Bar ein, wo wir schon vor zwei Jahren waren. Obwohl ich eigentlich keinen Kaffee trinke, ist jetzt der erste Café con leche fällig. Als ich die Bar um 11:15 Uhr verlasse, traue ich meinen Augen kaum strahlender Sonnenschein, blauer Himmel,  weiße Wölkchen - also ideales Pilgerwetter. Es ist von dem ungemütlichen Vormittagswetter nichts mehr zu erahnen.
Neben den gelben Pfeilen ist der Caminho da Costa inzwischen mit wunderschönen Holzstelen und der gelben Muschel auf blauem Grund gekennzeichnet.
In Vila do Conde halte ich mich nicht lange auf und hole mir in der Tour-Info nur den nächsten Stempel ab. Von dort laufe ich weiter zum Meer und ab einem kleinen Kastell auf einer befestigten Promenade in Richtung Povoa de Varzim. Kurz vor dem Ziel Laufe ich auf Benjamin, dem Pfälzer auf und begleite ihn zur Herberge. Wir treffen um 13:15 Uhr dort ein und sind die ersten. Nach einer Weile kommen noch Arba und Toshana aus Kapstadt ein. Wir warten, dass die Rezeption um 14:00 Uhr öffnet. Arba versucht per Telefon jemanden zu erreichen, ohne Erfolg. Ich versuche es dann um 15:15 Uhr unter einer anderen Nummer und mir wir versprochen, dass gleich jemand kommt. Und so kommt es auch. Zwanzig Minuten später beziehen wir unser Zimmer. Im Anschluß gehen wir etwas einkaufen und essen. Zurück in der Herberge treffen wir Kelly aus Kapstadt, Paul aus Litauen und Pablo aus Argentinien. Es ist eine Freude, sich mit jungen Leuten aus der ganzen Welt zu unterhalten. Bis halb acht sind Ben und ich alleine in unserem Zimmer, dann treffen noch zwei Polinnen ein und bekommen die verbliebenen zwei Betten der Herberge bei uns. Ben und ich sprechen intensiv über seine gesundheitlichen Probleme. Ich ziehe meinen Hut, wie offen er damit umgeht und wie er sie stemmt. 







Montag, 12. Juni 2017

Erster Tag vergeht wie im Flug

Porto - Angeiras (24,2 km)

Das Abenteuer kann beginnen. Ich stehe um 2:15 Uhr auf und verabschiede mich von meiner lieben Frau. Knapp 20 Minuten später verlasse ich das Haus. Draußen hat es 20 Grad und es wegt ein kühler Wind.  Es ist ruhig. Nur vereinzelt fährt ein Auto an mir vorbei und im vorbeigehen ist an einem Haus erkennbar, dass noch jemand vor dem Fernseher sitzt. Am Himmel ist eine mehr oder weniger dichte Wolkendecke erkennbar, durch die der  volle Mond manchmal zu sehen ist.
Als ich nach gut zwei Kilometern Marsch durch den Koblenzer Bahnhof laufe, wird die dortige Stille nur vom Betriebsgeräusch der ungenutzten Rolltreppe durchbrochen. In der Bahnhofshalle haben sich einige Menschen auf den wenigen Sitzmöglichkeiten breit gemacht und schlummern vor sich hin. Schließlich erreiche ich den Busbahnhof um 3:07 Uhr und bin leicht angeschwitzt.
Der Bus zum Flughafen Hahn fährt schon acht Minuten später ein und ich löse als erste ein Ticket . Um 3:30 Uhr setzt die Fahrerin den Bus mit mir und noch zwei weiteren Fahrgästen in Bewegung. Am Flughafen verpacke ich meinen Rucksack in eine Schutzhülle und gebe ihn am Drop Off-Schalter ab. Die Sicherheitskontrolle passiere ich ohne Probleme und kaufe mir dann ein belegtes Brötchen zum Frühstück.
Direkt gegenüber von mir sitzt ein Pärchen, das ich anspreche und einen Volltreffer lande. Auf meinen Post auf Facebook - mein eingepackter Rucksack - hat sich auch Brigitte aus der Nähe von Aschaffenburg gemeldet und sie schrieb , sie und ihr Mann säßen im selben Flieger. So unterhalte ich mich mit ihr und Michael an wenig und die Zeit bis zum Boarding vergeht wie im Flug.  Zwei älteren Damen bin ich bei einem Foto behilflich, auch sie haben den Caminho Portugues vor sich, wie mindestens zehn weitere Fluggäste ebenfalls.
Auch der Flug vergeht wie im Flug - ruhig und ohne Zwischenfall - und meistens hatte ich die Augen dabei zu. Um 9 Uhr 18 Uhr landen wir in Porto, nach Ortszeit ist es dort aber erst 8:18 Uhr. Wir bekommen sehr rasch unser Gepäck zurück und sind abmarschbereit. Ich verabschiede mich von Brigitte und Michael, denen ich mich nicht aufdrängen möchte. Auf dem Bahnsteig der Metro mache ich noch ein Foto, und dann will meine Kamera nicht mehr. Das Objektiv bleit einfach ausgefahren und wilk sich nicht mehr vom Fleck rühren. Auch der Wechsel des Akkus bringt keine Verbesserung des Situation.  Das hat mir jetzt noch gefehlt. Dann muss ich jetzt wohl mit dem Handy fotografieren.
Im Zentrum angekommen besorge ich mir in einem Supermarkt zwei Flaschen Wasser und anschließend im Hard Rock Cafe noch zwei Pins. Dann wird es Zeit , zur Kathedrale zu gehen, die um 10 Uhr geöffnet hat, um den ersten Stempel zu empfangen. Da treffe ich auch Brigitte und Michael wieder und wir gehen gemeinsam zum Ufer des Douro. Von dort aus ist die Haltestelle Infante unser Ziel. Die ersten Kilometer werden mit der historischen Electrico zurückgelegt.
An der Endstation trennen sich unsere Wege, da die beiden sich etwas zu essen besorgen möchten. Die Promenade am Atlantik ist heute sehr gut besucht, viele Spaziergänge und Jogger sind unterwegs,  und auch der Strand ist stark belegt. Das Meer ist etwas aufgewühlt und es weht eine ordentliche Brise. Nachdem die Touri-Info von Matosinhos noch geschlossen hatte, bekomme ich meinen Stempel in der kleinen Außenstelle am nördlichen Rand der Stadt.  Hier ist der Atlantik noch aufgewühlter, und Millionen von Wassertropfen bewirken in der Ferne eine trübe Szenerie. Ist man jedoch an der entsprechenden Stelle angelangt, strahlt die Sonne unerbittlich und ungestört vom Himmel herab. Von weitem ist jetzt der markante Obelisk zu sehen, an dem ich meine erste Rast einlege. Eigentlich viel zu spät, geht es mir durch den Kopf. Das muss ab morgen anders werden. Es gesellt sich ein junger Mann aus der Nähe von Kaiserslautern zu mir und wir quatschen ein wenig. Während wir an Obelisken sitzen, gehen zwei Mädels und ein Pärchen an uns vorbei, die ich aber bald wieder einholen werde.
Ich verabschiede mich von meinem Gesprächspartner und starte zu den letzten rund fünf Kilometern. Gegen 16:00 Uhr und erreiche den Campingplatz Orbitur und werde von der Hospitalera Ulrike empfangen. Die 24,2 km vergingen heute wie im Flug - gut, ein Teil auch in der Electrico. Nach der Erledigung der Formalitäten bekomme ich den Boogie 506 zugewiesen. Ich zahle noch das abendliche Pilgermenü und mache es mir dann in meiner Unterkunft bequem. Klar,  dass zunächst gewaschen wird und ein Besuch im Pool ist auch ein Muss. Inzwischen sind viele der Mobilheime mit Pilgern belegt. In diesem Jahr ist auf dem Caminho Portugues ganz schön was los.
Auf den Weg zum Essen treffe ich erneut Brigitte und Michael, die ihren Tag ebenfalls hier beendet haben.



 





Donnerstag, 8. Juni 2017

Es kribbelt in den Füßen

Es sind nur noch vier Tage bis zum Abflug nach Porto. Die letzte Zeit war sehr ausfüllend, sowohl im Dienst als auch zu Hause. Während meiner Abwesenheit wird unsere Wohnung etwas aufgehübscht. Die Vorarbeiten dazu haben wir in den vergangenen Wochen geleistet: Tapeten entfernt, alte Böden herausgerissen und fast alle Möbel auf dem Dachboden deponiert. Ab Montag geben sich dann Elektriker, Innenausstatter, Rolladenbauer, Verputzer und Bodenverleger die Klinke in die Hand. Es wird eine große Sauerei mit Lärm und Staub geben. Am vergangenen Wochenende waren wir mit der ganzen Familie am Nürburgring bei Rock am Ring und morgen fungiere ich noch als Organisationsleiter des Volkslaufes unseres Sportvereines.

Und dann wird es endlich Zeit, dass ich mal das Ventil öffne und einen freien Kopf bekomme. Die Vorfreude auf den Camino wächst täglich - und ich weiß, dass mir der Weg gut tun wird. Eben habe ich ein wenig in der Facebook-Gruppe Caminho Portugues gestöbert. Das hätte ich besser lassen sollen, denn mein Fernweh ist dadurch noch gewachsen.

Das kommende Wochenende werden wir noch die restlichen Möbel aus der Wohnung bringen und ich muss meine Rucksack packen, bevor es dann am Montag mitten in der Nacht mit dem Bus von Koblenz zum Flughafen Hahn geht.