Freitag, 16. Juni 2017

Erst Portugal, dann Spanien und am Abend Reggae aus Babados

Viana do Castelo - A Guarda (37,1 km) 

Wir haben gestern Abend noch ausgemacht, dass wir versuchen, uns heute in A Guarda in der Pilgerherberge zu treffen. Ich bin gespannt, ob wir vier tatsächlich alle dort heil und gesund ankommen, denn die Strecke beträgt heute circa 34 km. Ben ist bereits um 6:30 Uhr losmarschiert, ich verlasse die Herberge eine Viertelstunde später. Lija und Monika lassen sich noch etwas Zeit. Auf Facebook wurde mir gestern ein Abschnitt entlang des Meeres empfohlen. Ich werde diesen Tipp heute zumindest in Teilen befolgen. Ich bin heute richtig gut ausgeschlafen, denn wir hatten keinen lauten Schnarcher in unserem Schlafraum, der immerhin mit vierzehn Schläfern belegt war.
Ich finde schnell einen guten Gehrhythmus. Bereits nach einer halben Stunde erreiche ich das Meer und wende mich nach Norden, wo ich jetzt in unmittelbarer Nähe des Ozeans und des felsigen Ufers entlang laufen werde. Im Gegensatz zu gestern hat sich die Landschaft wieder krass verändert. Ich passiere gerade zwei kleinere Tümpel, aus denen zahlreiche Frösche quaken und zu meiner Linken befindet sich eine riesengroße Baustelle. Dahinter kann ich bereits die Brandung des Meeres erkennen, auch das Rauschen der Wellen habe ich gestern ein klein wenig vermisst. Schließlich zwege ich an einer S-Kurve von der Straße ab und begebe mich auf einen kleinen Feldweg in Richtung Felsenufer.
Die Wellen brechen sich mit lautem Getöse an aus dem Wasser hervorragenden Felsgruppierungen.  Zudem steigt mir der Duft des Meeres wieder in die Nase. Ich bewege mich auf einer schön angelegten Promenade auf eins der hier regelmäßig in der Nähe von Orten erbauten Kastelle zu. Ab der Ruine beginnt nun Weg, der mich über Holzplanken, befestigte Wege, und auch und Kopfsteinpflaster führen wird.
Nach ca 9,5 km verlasse ich die Atlantikküste und wende mich wieder dem Camino Portugues da Costa zu. Dieser Abschnitt war zwar wunderschön, aber ich möchte nicht den ganzen Tag nur am Meer entlang laufen, sondern auch noch ein klein wenig Abwechslung um mich herum genießen. Zudem befürchte ich, dass ich entlang des Ozeans keine Möglichkeit haben werde, in einer Bar einzukehren. Und darauf muss ich gar nicht lange warten, denn in Carreco befindet sich bereits eine geöffnete Bar, wo ich zu meiner Freude auch Ben wieder treffe. Bei ihm läuft es heute ganz gut und er ist frohen Mutes, unser auserkorenes Ziel A Guarda heute Abend zu erreichen. Nach einer halbstündigen Pause setze ich meine Pilgerwanderung um 9:15 Uhr fort.  Nachdem ich das Örtchen durchlaufen habe, gelange ich wieder in ein schattiges Waldstück mit Eukalyptus und Kiefern.
Dieser hügelige und zum Teil mit großem Steinbrocken versehene Weg ist zwar wunderschön, aber wenn ich mir vorstelle, dass hier Anne-Chantal, die Gründerin der Facebook-Seite Camino Portugues, hier mit dem Rollstuhl gepilgert ist, wird mir ganz anders. Ich ziehe meinen Pilgerhut und zolle ihr meinen vollsten Respekt zu. Für eine solche Leistung, gerade mit ihren gesundheitlichen Einschränkungen, muss man schon eine unglaubliche Energie aufbringen und Geduld haben. Und ich glaube auch, das entscheidende, wie sie immer sagt: Sonne im Herzen. Da läuft es mir eiskalt den Rücken herunter.
In einem idyllischen Tälchen liegt ein ehemalige Kloster direkt am Rio Afife.  Dort bietet sich eine traumhafte Kulisse für einen Fotostop. Nur ein paae Augenschlage später treffe ich Ben in einer Bar und wir halten einen netten Pausenplausch. Das nächste Mal werden wir uns dann wohl in Caminha an der Fähre treffen.
Hinter Ancora, nach knapp drei Kilometern, gelange ich wieder an das Meer und gehe auf einer Strandpromenade weiter nach Norden an einem Kastell vorbei. Die Route führt nun aus der Stadt heraus und mündet an einer kleinen Kapelle am felsigen Strand wieder auf einen befestigten Weg, der sich bis Caminha hinzieht. In der Ferne ist die Mündung des Rio Mino sowie das Örtchen O Moino zu erkennen. Darüber erhebt sich der Monte de Santa Teega, der zur Zeit noch in einer  Dunstwolke umgeben scheint.
Am Strand von Moledo verlasse ich diesen durch das Städtchen und gelange über eine nicht stark frequentierte, aber unendlich lange geradeaus führende Landstraße nach Caminha. Schließlich erreiche ich an der Landungsbrücke der Fähre das Ende von Portugal, wo ich eine gute Stunde warte. Dann kommen Lija, Monika und Ben um die Ecke und wir nehmen die Fähre um 15:00 Uhr.
In Spanien gelandet, müssen wir vier noch einen kleinen Berg überwinden, bis wir in der Herberge von Hospitalero Antonio aufgenommen werden. Das Abendessen nehmen wir in einem Restaurant am Hafen ein. Dabei erhalten wir noch Gesellschaft von Marja. Es wird ein wunderschöne Abend, der mit einem Reggae-Ständchen von David aus Barbados, einem Video und einen Foto endet. 








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