26.06.2026: Belorado - San Juan de Ortega (24,6 km)
Jörg und ich sind sowas von froh, dass diese Nacht vorbei ist. Wenn schon unsere Garmin-Uhren unisono anzeigen, dass der Schlafindex gerade einmal ausreichend ist, kann nur etwas faul sein. Und es war etwas faul. Wir hatten einige Mitschläfer im Zimmer, die von uns schon von der Statur potentielle Schnarcher eingestuft wurden. Und genauso kam es dann auch. Wir erlebten ein nicht schön anzuhörendes Konzert, mehrstimmig und in vielen Akten. Hörte einer auf, fing der nächste an. Gegen 6:00 Uhr war es dann genug. Wir packen unsere Siebensachen und bereiten uns in einem bereits verlassenen Schlafraum auf den Tag vor.
Es ist im Vergleich zu den letzten Tagen frisch um 7:00 Uhr, als wir die Herberge verlassen. Aber es ist so angenehm für uns. Wir gehen zunächst bis Tosantos und nehmen dort in einer Bar ein kleines Frühstück ein. Hirte führt der Camino nicht mehr so lange einer Straße entlang, sondern wieder durch Getreidefelder. Es werden mehrere Orte durchquert, Kapellen und spärliche Überreste eines Klosters. Nach 12 Kilometern erreichen wir Villafranca Montes de Oca. Da es für den Rest des Tagespensums keine weitere Rastmöglichkeit bietet, legen wir halt hier eine ein.
Wir wollen gerade um circa 10:30 Uhr wieder aufbrechen und räumen unseren Tisch ab. In dem Moment fahren zwei schwarze Kleinbusse vor und spucken etwa 10 - 12 Menschen aus, die teilweise mit einem Credencial wedeln („Where do get my stamp?) oder einen offensichtlich leeren Tagesrucksack auf ihrem Rücken haben. Eine Frau starrt uns etwas länger an, als wollte sie sagen: „Schaut mal, richtige Pilger, die alles mitschleppen müssen.“ Wir machen, dass wir wegkommen.
Auf der zweiten Hälfte der heutigen Strecke wird es anstrengend. Die nächsten vier Kilometer steigen wir auf rund 1150 Höhe auf. Glücklicherweise verläuft der Weg hier durch überwiegend schattigen Wald. Wir sind aber nicht alleine, die sich hier hochmühen. Endlich haben wir den höchsten Punkt erreicht und sehen vor uns an einem Auto eine Ansammlung von Pilgern. Hier gibt es etwas kaltes zu trinken. Das nutzen wir, bevor es nun allmählich abwärts nach San Juan de Ortz geht. Dort treffen wir gegen 13:30 Uhr an unserer Herberge ein. Es ist eine kleine mit nur sieben Betten, wir bekommen ein Dreibettzimmer für uns. Passt.
Nachdem wir uns eingerichtet haben, nehmen wir etwas Flüssigkeit zu uns und treffen ein paar Bekannte wie Paf aus London. Eine Besichtigung des Kirche des Klosters San Juan de Ortega mit den Grabmal des Heiligen sowie der benachbarten Kapelle mit dem originalen Steinsarg folgt. Und wieder sehen wir die beiden schwarzen Fahrzeuge mit ihren Insassen, die sich lauthals in der Kirche unterhalten, während Jörg und ich Kerzen anzünden. Kurz darauf sind die Autos wieder weg. Ich habe kein Problem mit Erleichterungen für Pilger mit Handicap und habe eine hohe Toleranz, aber das geht mir zu weit. Das hat nichts mit Pilgern auf dem Jakobsweg zu tun, das ist purer Tourismus.
Genug geärgert. Es gibt gleich ein leckeres Pilgermenü in der ruhigen Abgeschiedenheit der kleinen Herberge von San Juan de Ortega, wo man sich wirklich einmal fallen lassen kann. Das wird sich morgen wieder ändern. Dann geht es nach Burgos.
Genug geärgert. Es gibt gleich ein leckeres Pilgermenü in der ruhigen Abgeschiedenheit der kleinen Herberge von San Juan de Ortega, wo man sich wirklich einmal fallen lassen kann. Das wird sich morgen wieder ändern. Dann geht es nach Burgos. Wir sitzen bei schönem Wetter vor der Herberge und warten auf unser Essen. Die ganze Zeit läuft ein Live-Konzert von Mark Knopfler, natürlich auch „Wild Theme“. Da muss ich unweigerlich an meine Pilgertour auf dem Camino Portugues 2017 denken, als ich beim Blick auf die Ria de Vigo ohne Grund mein Handy rauskramte und genau diese Melodie hörte. Damals hatte das Instrumental irgendetwas hervorgerufen, dass mir Tränen die Wangen runterliefen. Und genau das passiert mir heute erneut. Warum? Keine Ahnung. Es gibt halt Musik, auf die Menschen emotional reagieren. Während wir auf unser Essen warten, laufen immer noch Pilger an der Herberge vorbei. Und es ist jetzt schon 18:30 Uhr. Bis zur nächsten Unterkunft in Agés sind es noch mindestens drei Kilometer. Dorthin sind auch Marion und Uwe gegangen, wir treffen uns morgen in Burgos.

















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