28.05.2026: Burgos - San Bol (26,8 km)
Wir hatten uns bereits gestern im Zimmer abgestimmt, um 5:00 Uhr aufzustehen. Genauso passiert es auch, zwei Leute schlafen zwar noch, aber wir sind so leise, dass keiner aufwacht. Eine Dreiviertelstunde später sind wir schon auf der Straße. Es ist frisch, aber sehr angenehm. Wir laufen noch einmal an der Rückseite der Kathedrale vorbei und verlassen allmählich das noch dunkle und menschenleere Burgos. Das dauert allerdings noch eine ganze Stunde.
Unterwegs unterhalten wir uns ein wenig mit einer deutschen Pilgerin aus Düsseldorf. Wir werden sie heute noch ein paar Mal sehen. Eine erste Pause machen wir in Tardajos. In der ersten Bar sieht das Angebot recht übersichtlich aus, sodass wir ein paar Meter weitergehen. Hier freuen wlr uns auf ein Boccadillo. Es steht zwar auf der Karte, aber es gibt leider keins. Es muss also eine Tortilla her. Bis dann noch der Stempel in unseren Pilgerausweisen erscheint, dauert es noch eine Weile. Insgesamt dauert die Frühstückspause zu lange, das werden wir zukünftig ändern. Zwei Kilometer weiter halten wir in Rabé de las Calzadas schon wieder an. Das hat allerdings taktische Gründe. Erst zehn Kilometer danach gibt es eine weitere Möglichkeit, etwas Trinkbares zu bekommen. Unsere mitgeführten Wasservorräte wollen wir angesichts der steigenden Temperaturen etwas schonen. Also verdampfen vier kleine Estrella 0,0 in kürzester Zeit.
Inzwischen hat uns die Meseta vollständig eingenommen. Die weit in der Ferne sichtbaren hellen Wege mit dunklen Punkten, die sich langsam fortbewegen, sind typisch dafür. Links und rechts erstrecken sich riesige Getreidefelder und die Sonne lässt ihre volle Kraft wirken. Über jeden leichten Windzug sind wir froh, ebenso über jeden Strauch oder Baum, der ein wenig Schatten spenden kann. Gegen 11:00 Uhr erreichen wir Hornillos del Camino. Die meisten Pilger werden hier bleiben und übernachten. Wir machen eine weitere Pause, holen uns in der Rock’n’Roll Bar Casa Manolo ein paar flüssige Vitamine. Es sind jetzt noch rund sechs Kilometer bis zur einsam gelegenen Albergue San Sol, wir gehen 13:00 Uhr eintreffen. Jetzt heißt es, eine gute Stunde zu warten, bis geöffnet wird. Die Herberge hat zwölf Betten, liegt mitten in der Natur in einer Senke, ein paar Schritte abseits des Caminos. Es ist eine völlig andere Atmosphäre als in den großen Pilgerunterkünften.
Vor uns ist schon eine Pilgerin aus Süd-Korea angekommen. Das ruft bei mir Bilder von Asiaten hervor. Viele laufen hier fast völlig vermummt herum. Lange Hosen, lange Oberteile, am besten noch die Kapuze vom Hoodie auf dem Kopf. Sonnenbrillen, riesige Schildkappen, Mundschutz und Handschuhe dürfen nicht unerwähnt bleiben. Damit fallen sie schon ziemlich aus dem Rahmen. Kurz nach uns gesellt sich noch Steve aus Großbritannien zu uns, und eine Neuseeländerin mit koreanischen Wurzeln, später noch zwei weitere Koreaner, die allerdings keine Silbe Englisch sprechen. Das stelle ich mir sehr schwierig vor.
Wir setzen uns gemeinsam an den „Pool“, dessen Wasser eiskalt ist und beim Eintauchen von Füßen und Beinen den gleichen Effekt erzielt wie die Eistonne bei Leistungssportlern. Das passt allerdings, denn auch wir Pilger vollbringen höchste sportliche Leistung.
Unsere Hospitalera Judit bereit am späten Nachmittag das Abendessen vor. Auf die Paella freuen wir uns bereits. Beim Essen stellen wir fest, dass Onkel und Neffe doch ein wenig Englisch können, sie tauen jetzt etwas auf. Wir haben ja auch eine gute Dolmetscherin dabei. Ich habe inzwischen unseren Plan aufgrund der Temperaturen gerade im letzten Drittel etwas entschärft und die Streckenlängen angepasst.

















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