31.05.2026: Villalcázar de Sirga - Calzadilla de la Cueza (23,1 km)
Es ist erholsam, wenn man keine Rücksicht auf andere Pilger nehmen muss und zu zweit alles regeln kann. So auch heute, als Jörg und ich kurz nach 5:00 Uhr wach sind und tun und lassen können, was wir wollen. Eine gute Dreiviertelstunde später stehen wir in unseren Schuhen und mit dem Rucksack auf dem Rücken auf der Straße. Noch ein Foto mit einem Bronzepilger, der am Tisch sitzt und einen Becher Wein vor sich stehen hat und los geht es.
Wir sind nach drei Ecken wieder auf der gleichen Straße wie gestern und bleiben auf dem abgetrennten Pilgerstreifen für die nächsten sechs Kilometer bis Carrión de los Condes. Dieses Stück hat Simone gestern noch bewältigt, in der brütenden Nachmittagshitze. Jetzt ist es noch dämmrig und gerade einmal 12 Grad „warm“, links geht der orange gefärbte Mond langsam unter während rechts die Sonne den Himmel in einer ähnlichen Farbkomposition leuchten läßt. Außer uns selbst ist noch niemand unterwegs. Nach einer Stunde erreichen wir Carrion de los Condes und frühstücken in einer Bar. Auffällig in dieser Stadt sind die zwei Klöster und vier Kirchen, von denen zumindest die Iglesia Santa Maria bereits geöffnet ist.
Inzwischen sind auch andere Pilger zu sehen, allerdings sind an einem ähnlichen Automaten wie in Itero de la Vega bisher nur zwei Fuß- und ein Fahrradpilger gezählt worden. Wir laufen zunächst ein Stückchen weiter entlang einer Straße, um dann auf historischem Grund weiterzukommen. Ein gravierter Hinweis auf einem Granitblock erläutert den originalen Verlauf der Via Aquitana von Burgos nach Astorga. Dort erreichen wir schon bald einen Food Truck und legen dort eine zweite Pause ein. Wir treffen dort auch den Korenaer mit seinem Neffen. Etwas später läuft auch der Pilger mit dem Esel vorbei.
Ab hier sind es noch gut elf Kilometer bis Calzadilla de la Cueza. Es ist ruhig, der Wind weht angenehm und lässt die bereits angestiegene Temperatur etwas angenehmer erscheinen. Wir passieren einen Kilometerstein mit der Angabe 400 - es ist also nicht mehr so weit bis Santiago. Neben den üblichen Feldern finden sich hier auch Sonnenblumen, die aber anscheinend noch in einem jungen Wachstumsstadium sind und keine Blüten ausgebracht haben. Dafür stehen am Wegesrand unzählige gelbe Doldenblüter, die mit kleinen, schwarzen Insekten belebt sind. Meine Neugierde führt zur Lösung, es sind Riesenfechel.
Jetzt kann es nicht mehr weit sein. Zunächst erscheint ein Glockenturm, der gehört aber zum örtlichen Friedhof. Dann werden allmählich einige Dächer und dann Häuser sichtbar. Wir sind angekommen, und es ist gerade einmal 12:00 Uhr. Wir müssen uns aber noch eine halbe Stunde gedulden, bis wir unser Zimmer bekommen. Schon nach dem CheckIm bekommen den Hinweis auf mögliche Probleme mit der Wasserversorgung. Das bekommen wir direkt zu spüren. Jörg geht direkt unter die Dusche, es tropft aber nur leicht. Also: einstellen und warten. Auch der Spülkasten der Toilette zieht nach der Benutzung kein neues Wasser. Zehn Minuten später beginnt er, wieder vollzulaufen. Das ist das Signal für uns: ab unter die Dusche. Das Wasser reicht gerade für uns.
Wir haben heute die zweite Woche abgeschlossen, sind bisher 324 Kilometer auf dem Camino Frances unterwegs gewesen. Uns geht es gut, fast keine Beschwerden und keine Ausfälle. So kann es weitergehen.















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