Der Tag beginnt schon richtig gut. Wir machen uns in Ruhe fertig, bekommen von Helena ein Käsebrot, eine Banane und einen Riegel. Für den Kaffee schickt sie uns in die nahegelegene Bar, die von ihrem Partner geführt wird. Aus der Musikbox ertönen bekannte Klänge, die ich leise für mich mitsumme. Simple Minds - Alive and kicking, letztes Jahr auf der Loreley live erlebt. Frei übersetzt: voller Tatendrang und munter. Das ist genau das Gefühl, das ich gerade habe, ein passendes Motto für diesen vierten Pilgertag. Da schmeckt der Café von leche umso besser, auch für mich, der eigentlich keinen Kaffee trinkt.
Wir holen unsere Rucksäcke und verabschieden uns von Helena mit der am Vorabend von ihr angekündigten Umarmung. Der heutige Weg führt uns zunächst aufwärts nach Villamajor de Monjardin und danach gefühlt nur noch absteigend weiter - wenngleich immer wieder mit kurzen Peaks. Über uns breitet sich eine blaue Fläche aus. Keine Wolken. Eine stärker werdende Sonne. Und Vögel, viele Vögel. Vor allem überrascht uns hier die große Anzahl an Schwalben. Allmählich holen wir bereits bekannte Menschen ein wie Paf und Ian. Erstaunt sind wir über ein Paar, das mit einem Säugling und Kinderwagen unterwegs ist. Da kann man nur staunen. Nach rund acht Kilometern erreichen wir die Pilgrim Oasis, einen Foodtruck. Das passt sehr gut, denn bis Los Arcos gibt es keine Möglichkeit, Getränke zu bekommen.
Wir kommen heute gut vorwärts, laufen fast fünf Kilometer in der Stunde. Die Strecke gibt es aber auch vom Höhenprofil her. Der Weg wird flankiert von grossflächigen Getreidefeldern, Weinbergen, vereinzelt auch Olivenbäumen und Spargelfeldern. Gegen 11:00 Uhr treffen wir in Los Arcos ein und machen eine Pause direkt vor der Iglesia Santa Maria. Eigentlich ist die Kirche zu dieser Zeit geschlossen, aber ein Geistlicher bereitet wohl gerade einen Gottesdienst vor, sodass man eintreten kann. Es wäre eine Schande gewesen, diese so schön ausgestattete Kirche nicht anzusehen.
Es sind jetzt nur noch rund sieben Kilometer bis zu unserem Etappenziel Torres del Rio. Die Sonne lässt die Temperatur nach oben schnellen, wir halten deshalb unseren Schritt aufrecht. Für den späten Nachmittag sind bis zu 30 Grad angekündigt. Die Strecken führt überwiegend über Feldwegen ohne Schatten. Für Abwechslung sorgen die unzähligen Mohnblüten an den Rändern der Felder, die in einem kräftigen Rot leuchten. Gegen 13:15 Uhr stehen wir vor der Herberge und bekommen unsere Betten zugewiesen. Schön, dass wir auch diese Etappe unbeschadet überstanden haben. So kann es weitergehen. In unserem Zimmer treffen wir auch Marion und Uwe aus Göttingen, die wir ja schon am ersten Tag kennengelernt haben. Es folgen: Bettenbau, duschen, waschen, regenerieren.
Für mich kommt dann doch noch etwas Stress dazu (das zeigte mir jedenfalls meine Uhr an). Übermorgen müssen wir von Logrono nach Najera 29 Kilometer zurücklegen und es sind wieder hohe Temperaturen angekündigt. Deshalb möchten wir gerne eine Unterkunft fix machen. Das gestaltet sich schwieriger als gedacht, denn auf Buchungsportalen ist nichts mehr verfügbar. Ich habe mir schon alternative Etappeverläufe überlegt. Durch einen Zufall schaffe ich dann doch noch, in einer vermeintlich ausgebuchten Herberge zwei Betten zu ergattern. Glück gehabt. Alive and kicking!
Vor dem Abendessen ergibt sich noch die Gelegenheit, einen Blick in die Iglesia Santo Sepulcro zu werfen. Das achteckige Gotteshaus wurde im 12. Jahrhundert vom Orden vom Heiligen Grab zu Jerusalem erbaut wurde und sollte an die damalige Kirche über dem heiligen Grab in Jerusalem erinnern. Eine Besonderheit gibt es auch noch: an den drei Geschossen des Turmes befinden sich unzählige Schwalbennester, die auch fast alle belegt sind.















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