(Frankfurt - Madrid - Pamplona)
Cizur Menor - Urtega (12,7 km)
Irgendwie habe ich die letzten vier Stunden in der CheckIn-Zone 26 im Terminal 2 des Frankfurter Flughafens herumbekommen. Allmählich kehrt auch wieder Leben in die riesigen Hallen. Gegen halb fünf trifft Jörg ein und wir sehen zu, unsere wie Kokons aussehenden, mit Frischhaltefolie ummantelten Rucksäcke abzugeben.
Wir gehen direkt durch die Sicherheitskontrolle und zum angezeigten Gate, wo uns nicht mehr viel Zeit bis zum Boarding bleibt. Vom Bodenpersonal werden wir gefragt, ob wir unsere Sitzplätze tauschen wollen. Ein älteres Paar aus Argentinien hat zwei Plätze am Notausgang und sie dürfen diese nicht behalten. Da sagen wir doch nicht nein und genießen die Beinfreiheit in Reihe 17. Unser Flieger, eine Bombardier CRJ1000, verlässt pünktlich seinen Abstellplatz auf dem Vorfeld, macht aber dann noch eine Rundfahrt um das Rollfeld. Um 6:45 Uhr heben wir ab in Richtung Madrid, das wir nach einem ruhigen Flug um 8:45 Uhr erreichen. Bis zum Weiterflug nach Pamplona haben wir jetzt über drei Stunden Zeit. Rumgammeln auf dem Flughafen Madrid können wir ja, das haben wir letzten September eine ganze Nacht hinbekommen. Aber zunächst lassen wir uns die von Jörg mitgebrachten belegten Brote und Brötchen.
Wieder sitzen wir pünktlich im Flieger, der nach kurzem Rollen von der Startbahn abhebt. Mit uns reisen weitere Pilger, unschwer an ihrem Gepäck erkennbar. Der Flug nach Pamplona dauert lediglich eine halbe Stunde. Beim Landeanflug ist bereits der Alto de Perdón zu sehen, den wir gleich erklimmen werden. Um 13:15 Uhr steigen wir aus dem Flieger und bekommen rasch unsere Rücksäcke, die wir von der Folie befreien. Dann zieht es uns auf den Camino Frances. Wir wollen nicht noch einmal vom Flughafen aus ins Zentrum von Pamplona, verzichten auf die Fahrt zurück in die Stadt und schenken uns damit circa fünf Kilometer und eine Stunde Zeit. Vielmehr fahren wir mit einem Taxi nach Cizur Menor zur Albergue de la Soberana Ordem de Malta, wo wir uns einen ersten Stempel besorgen. Die Herberge liegt unmittelbar am Weg, sodass wir hier unsere erste Etappe für dieses Jahr beginnen können.
Wir haben ideale Bedingungen, das Thermometer einer Apotheke zeigt 21 Grad und es ist etwas bedeckt. Es geht erst gemächlich, dann steiler in Richtung Zariquiegui. Dabei fliegen zwei Englisch sprechende Frauen plaudernd an und vorbei, während wir schnaufend mit dem Berg kämpfen. Kurz darauf werden wir von drei Pilgern eingeholt, einer stammt aus Regensburg. Ihn treffen wir später auch in unserer Herberge. Der Anstieg wird steiler, der Weg wird von Buchsbaum gesäumt. Kurz vor dem 779 Meter hohen Alto de Perdón laufen wir an der Fuente de Reniega (Quelle der Abkehr) vorbei. Wie so oft gibt es zu verschiedenen Örtlichkeiten auch Legenden. Einem durstigen Pilger erschien der als Pilger verkleidete Teufel und bot ihm Wasser an. Als Gegenleistung sollte er seinem Glauben abschwören. Der Pilger ließ sich auf diesen Handel nicht ein und ging weiter. Kurz darauf wurde er von Jakobus persönlich zu der besagten Quelle geführt.
Danach überwinden wir den mühsamen Anstieg, haben ständig die zahlreichen Windräder vor Augen, deren Surren bereits lange vor der Anhöhe zu hören ist. Auf dem Alto de Perdón fällt sofort die vom Bildhauer Vicente Galbete 1996 installierte verrostete Skulptur auf. Dargestellt wird eine Karawane von Pilgern mit ihren Fortbewegungsmitteln auf der Zeitachse - vom historischen Pilger in den Anfängen des Jakobsweges bis in die heutige Zeit. Wir selbst reihen uns als „moderne“ Pilger an das rechte Ende des Zuges ein.
Danach erwartet uns eine letzte Herausforderung: ein Schild weist uns darauf hin, dass der Abstieg ein Gefälle von bis zu 34% haben soll. Unsere Knie freuen sich schon und schreien ganz laut. Die letzten drei Kilometer bis Uterga sind wieder entspannt, unsere Schrittfrequenz nimmt zu und wir treffen gegen 17:30 Uhr in der Herberge Bazdan ein. Wir haben vorgebucht und das ist auch gut so, denn das Haus ist ausgebucht. Gerne nehmen wir das Angebot an, am gemeinsamen Abendessen teilzunehmen. Dabei lernen wir einige deutsche Pilger kennen, u.a. aus Limburg und Göttingen. Nach dem Essen sitzen wir noch gemeinsam im Garten bei einem Bier zusammen, bevor wir den Abend müde abschließen.



















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