Samstag, 9. Juli 2016

Wo der Atlantik den Horizont küsst...

Die Nacht verlief sehr ruhig, aber um 5:00 Uhr beginnen die ersten, ihre Sachen zusammenzupacken. Die meisten wollen heute bis Fisterra durchlaufen, und das sind immerhin gut 33 Kilometer. Dann Olli und ich nur bis Cee pilgern wollen, drehen wir uns einfach noch einmal um. Erst gegen 7:00 Uhr beginnen wir mit den Vorbereitungen für den Tag, um 8:00 Uhr verlassen wir als letzte die Herberge. Zunächst geht es nur bergauf zu einem Höhenweg. Links unter uns wird der Rio Xallas aufgestaut, dahinter stürzt er laut in ein Seitental hinein. Nach einer guten dreiviertel Stunde erreichen wir die Bar und Herberge von Logoso, wo sich gerade Miriam, Jette, Fine und Emi die Rucksäcke aufschnallen und ihre Pause beenden. Dabei erfahren wir, dass die Mädels heute in derselben Herberge in Cee übernachten, wie wir. Zu uns gesellt sich nun ein Ehepaar aus Füssen, das bis vor vier Jahren noch am Niederrhein lebt. Wir unterhalten uns ein wenig über ihren Jakobsweg. Hier trifft sich halt die Welt! Wir nehmen ein kleines Frühstück ein und laufen gut gelaunt weiter. An einer Straßenkreuzung teilt sich der Weg. Nach links geht es weiter nach Fisterra, nach rechts geht es nach Muxia. Wir wählen die erste Variante und gelangen zu einem Pistenweg, der uns durch eine karge Landschaft führt. Überall drehen sich auf den umliegenden Höhenzügen Windräder. In dem Moment werden wir von einem jungen Pärchen aus Mainz überholt. Es dauert nicht mehr lange, da taucht am weiten Horizont bereits ein schmaler Streifen Blaues auf: der Atlantik. Auch wenn dieser Landstrich nicht so stark bewachsen ist, hat er trotzdem seine Reize. An der Capella da nossa Senhora das Neves rasten gerade unsere Pilgerbekanntschaften aus Halle und Mainz. Der folgende Abschnitt über die Schotterpiste ist nicht so schön, dafür entschädigt er mit wunderschönen Ausblicken, nicht nur in Richtung Ozean, sondern auch ins Landesinnere. Dann kommt der Augenblick, wo wir erstmals Fisterra und das Kap in der Ferne erkennen können. Der Weg führt nun steil ab und man hat das Gefühl, auf einer riesengroßen Tribüne abwärts gefahren zu werden. Dabei öffnet sich der Blick auf die Ria de Corcubion und Cee immer mehr. Uns wird ein Schauspiel präsentiert, das Seinesgleichen sucht. Zwischen dem strahlend blauem Meer und dem nur leicht abweichenden Farbton des Himmels scheint es keinen erkennbaren Übergang zu geben. Es ist einfach traumhaft, diese Inszenierung dargeboten zu bekommen. Von hier oben gesehen, muss es der Weg ins Paradies sein. Olli und ich steigen weiter ab, und bekommen vor staunen den Mund kaum noch zu. Und das soll der Weg zum Ende der Welt sein? In Cee checken wir in der Albergue A Casa da Fonte und werden von Guzman begrüßt. Die Herberge ist hell, einfach, großzügig und mit allem versehen, was der Pilger braucht. Hier fühlen wir uns sofort wohl. Kurz nach uns kommen die Mädels und wir beschließen, heute gemeinsam zu kochen. Nach dem Einkauf verschwinden Miriam, Jette, Fine und ich in der Küche und bereiten Salat, Nudeln und Soße vor. Olli hängt in der Zwischenzeit die Wäsche von uns allen auf, die während des Einkaufes gewaschen wurde. Dann bitten die Köche zu Tisch und es schmeckt vorzüglich. Wir sind schon eine tolle Truppe.

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