Montag, 4. Juli 2016

Ist sie nicht wunderbar - diese Schöpfung

Um 5:40 Uhr ist heute die Nacht zu Ende. Wir wollen früh die Herberge verlassen um bereits einige Kilometer in der noch kühlen Morgendämmerung zu pilgern. Pünktlich um 6:30 Uhr stehen wir auf der Straße und laufen in Richtung Plaza Galicia. Es sind kaum Menschen unterwegs. Nur eine kleine Gruppe Pilger schleicht herum und sucht eine Gelegenheit zum Frühstücken. Wir verlassen Bestanzos und es geht zunächst einmal aufwärts. Zum Glück dauert es nicht lange und wir laufen durch die reine Natur. Hin und wieder passieren wir einige Häuser, die von bunten Blüten umrahmt sind. An einem überwucherten Sportplatz, bei dem gerade noch die Latten der Tore herausschauen, geht es in den Wald hinein, den wir aber schon rasch wieder verlassen können. Die Kirche San Esteban de Cod ist natürlich verschlossen, aber von hier oben hat man bei klarer Sicht einen weiträumigen Blick auf die umliegenden bewaldeten Hügel. Die Landschaft erinnert mich sehr an unsere heimischen Mittelgebirge. An einigen Stellen hat ein Unbekannter kleine Zettel mit Sprüchen hinterlassen. Zum Beispiel steht da drauf: There is no path to peace, peace is the path (Gandhi). Die Landschaft wird immer schöner. Wir laufen durch Hohlwege, auf den Eidechsen aus Furcht vor uns ihre sonnigen Plätze fluchtartig verlassen. Manchmal ist auch ein kleiner Vogel vor uns auf dem Weg, schaut uns an und fliegt einfach weg. Und wieder haben wir einen Anstieg vor uns. Zu beiden Seiten des Weges wächst Strauchwerk, aber der Boden ist übersät mit Wurzeln, die sich in alle Richtungen ihren Weg gebahnt haben. Schließlich sehen wir den Hinweis auf die Herberge von Presedo, die noch relativ neu sein soll. Dort angekommen, treffen wir die vier spanischen Studentinnen, die sich gerade im Aufbruch befinden. Sie erklären uns den Weg zum Restaurant Meson Museo, wo man etwas zu essen bekommen kann. Von dem Restaurant sind wir begeistert und bekommen für kleines Geld ein Omelette mit Käse. Kurz bevor wir uns wieder auf den Weg machen wollen, trudeln auch die Mädels ein und bestellen sich ihr Frühstück. Ihr Ziel ist heute ebenso Hospital de Bruma. Olli und ich wollen weiter, es ist inzwischen 10:30 Uhr und wir haben knapp die Hälfte geschafft. Wir tauchen wieder in die Natur ein und genießen herrliche Blicke in die saftig grüne Landschaft. Auf einer Wiese erholt sich ein Pferd, auf der nächsten versorgen sich Schafe mit ihrer Morgenmahlzeit. Wir freuen uns an der Schönheit der Gegend und sind total begeistert. Diese unberührte Natur ist glücklicherweise noch nicht durch irgendwelche hässlichen Industrie- und Gewerbeanlagen verschandelt und gehört auch für die Zukunft davor bewahrt. In Vilacoba kehren wir für ein kleines Bier zwischendurch in die Bar Casa Julia ein. Danach hat der Schöpfer dieser tollen Umgebung eine besondere Herausforderung für uns parat: es geht steil aufwärts für circa 2,5 km. Der Schweiß läuft gefühlt literweise aus den Poren und unser Tempo verringert sich schlagartig. Nach einer Ewigkeit haben wir den höchsten Punkt erreicht. Hier oben befinden sich Weideflächen und die braun und schwarz gefleckten Rinder lassen es sich auch gut gehen. Kurz darauf passieren wie ein altes Steinkreuz, das mit Briefen, Steinchen und persönlichen Gegenständen von Pilgern bestückt ist. Ich freue mich aber mehr über einen Getränkeautomaten, der an einem Firmengebäude installiert ist, und entlocke ihm eine Dose Cola, die zufrieden leere. Olli und ich sind danach so in einer Unterhaltung vertieft, dass wir zunächst gar nicht unseren Zielort mit Herberge realisieren. Es ist 14:30 Uhr, und vor uns si gerade einmal vier Pilger vor uns angekommen. Im Laufe des Nachmittags trudeln weitere bekannte Gesichter aus Betanzos ein, und zu unserer Freude auch dir beiden aus New York. Dazu gesellen sich drei weitere Amerikaner und ein Slowene (mit dem ich mich intensiv unterhalte), der Rest kommt aus Spanien. Um 17:45 Uhr braust Applaus auf, denn die vier Mädels ergattern die letzten freien Betten. Am Tag davor haben sie sich wohl hoffnungslos verlaufen und auch heute sind sie längst überfällig. Gegenüber der Herberge hat man neuerdings die Möglichkeit, im Restaurant Casa Grana etwas zu Essen zu bekommen. Das werden wir heute Abend und morgen Früh gerne nutzen.

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